An: An die Bundeskanzlerin Frau Dr. Angela Merkel, an den Bundesminister des Inneren, Herrn Dr. Thomas de Maizière, an den Bundesaußenminister, Herrn Dr. Frank-Walter Steinmeier

Geflüchtete aus Griechenland und Italien nach Deutschland holen – Relocation jetzt umsetzen!

Geflüchtete aus Griechenland und Italien nach Deutschland holen – Relocation jetzt umsetzen!

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
sehr geehrter Herr Bundesinnenminister,
sehr geehrter Herr Bundesaußenminister!

Deutschland hat sich im Rahmen des europäischen „Relocation“-Programms verpflichtet, bis September 2017 etwa 27.300 Geflüchtete aus Griechenland und Italien aufzunehmen. Diese Selbstverpflichtung wurde bisher völlig unzureichend eingelöst.

Wir fordern Sie deshalb auf, jetzt für eine schnelle und vollständige Umsetzung von „Relocation“ zu sorgen.

Warum ist das wichtig?

Mit dem 2015 von der EU beschlossenen Relocation-Programm sollen Italien und Griechenland entlastet werden – die beiden Länder, über die im letzten und in diesem Jahr Hunderttausende Geflüchtete nach Europa gekommen sind. Insbesondere Griechenland, das selbst unter der Wirtschaftskrise und der von der EU auferlegten Sparpolitik leidet, ist mit einer menschenwürdigen Unterbringung und Versorgung der Geflüchteten massiv überfordert.

Nach der Schließung der Balkanroute im Frühjahr leben weit über 50.000 Menschen in Flüchtlingscamps, in denen es am Nötigsten fehlt. Die Lager sind oftmals überfüllt, es gibt keine angemessene medizinische Versorgung, die Verpflegung ist schlecht. Viele Camps befinden sich in abgelegenen Gegenden, die Geflüchteten leben in Zelten in verlassenen Industrie- und Lagerhallen ohne Heizung und ausreichende sanitäre Anlagen.

Für viele der Flüchtlinge wäre das Relocation-Programm der Europäischen Union die einzige Hoffnung darauf, Griechenland und die katastrophalen Verhältnisse in den Lagern auf legalem Weg verlassen zu können.

Doch die Zusagen der europäischen Mitgliedsstaaten zur Aufnahme von Geflüchteten nach diesem Programm werden nur äußerst schleppend umgesetzt. Insgesamt wurden seit September 2015 lediglich gut 8700 Menschen EU-intern umverteilt (Stand: 13. Dezember 2016). Diese „Halbzeit-Bilanz“ des auf zwei Jahre angelegten Programms ist beschämend. Von den im September 2015 zugesagten 160.000 Relocation-Plätzen konnten bis heute gerade einmal 5,5 % tatsächlich in Anspruch genommen werden.

Auch Deutschland hat nur einen Bruchteil der zugesagten Plätze zur Verfügung gestellt - nämlich 863 von gut 27.670. Auch die kürzlich gemachte Ankündigung, künftig monatlich bis zu 500 Geflüchtete jeweils aus Griechenland und Italien aufnehmen zu wollen, ist völlig unzureichend. Sie bedeutet nichts anderes, als dass viele Menschen, die vor Krieg und Verfolgung geflohen sind, noch bis zu zwei weiteren Jahren unter schlechtesten Bedingungen leben müssen.

Dafür besteht weder eine Notwendigkeit noch eine moralische Rechtfertigung. In Deutschland sind ausreichend leer stehende Flüchtlingsunterkünfte vorhanden, in denen die Menschen vorläufig unterkommen können. Es gibt eine ganze Reihe von Kommunen, die sich zur Aufnahme bereit erklärt haben und es gibt nach wie vor zigtausende freiwilliger Helfer*innen, die die Geflüchteten willkommen heißen und unterstützen würden.

Das einzige, was fehlt, ist der politische Wille der Bundesregierung. Wir fordern Sie deshalb auf, jetzt zügig und umfassend die zugesagten Relocation-Plätze zur Verfügung zu stellen.

Erstunterzeichner*innen:

57 - Darmstadt verdoppelt
50 aus Idomeni (Osnabrück)
Save me Darmstadt
Save me Mannheim
Initiative "200 nach Marburg"
Flüchtlingshilfe Wolfsburg e.V.
Asylarbeitskreis Heidelberg e.V.
Potsdam-Konvoi

terre des hommes Deutschland e.V.
Bayerischer Flüchtlingsrat
Niedersächsischer Flüchtlingsrat
Flüchtlingsrat Sachsen-Anhalt
Sächsischer Flüchtlingsrat
Flüchtlingsrat Berlin
Flüchtlingsrat Baden-Württemberg

Ramona Lenz (medico international)
Heiko Kauffmann (Aachener Friedenspreisträger 2001, Mitbegründer von Pro Asyl)
Prof. Dr. Klaus J. Bade (Historiker und Migrationsforscher)
Harald Möller-Santner (Ottenser Gespräche Flucht und Migration)
Cornelia Breuker (Ökumen. Flüchtlingsnetzwerk Garbsen)
Edith Weimer (Integrationslotsin in Celle)


Ich habe unterzeichnet, weil...

  • Gudrun Kaspareit
  • Es ist unmenschlich die Geflüchteten, Griechenland und Italien mit den Folgen der Kriege, die unseren Waffenhändlern eine Menge Geld eingebracht haben, allein zu lassen. Wo bleiben da unsere viel beschworenen "westlichen Werte", welche auch immer das sein mögen.
  • weil wir nichts dafür können, dass es uns so gut geht

Neuigkeiten

2016-11-04 22:07:17 +0100

1,000 Unterschriften erreicht

2016-11-02 19:22:55 +0100

500 Unterschriften erreicht

2016-11-01 08:51:44 +0100

100 Unterschriften erreicht

2016-10-31 22:06:58 +0100

25 Unterschriften erreicht

2016-10-31 19:55:56 +0100

10 Unterschriften erreicht