An: Herrn Außenminister Frank-Walter Steinmeier

Übergeben am 8.4.2016: Grenze auf für Hilfslieferungen nach Kobanê

Übergeben am 8.4.2016: Grenze auf für Hilfslieferungen nach Kobanê

Sehr geehrter Herr Außenminister Steinmeier,

die nordsyrische Stadt Kobanê wurde während der Kämpfe mit den Milizen des sogenannten 'Islamischen Staats' in weiten Teilen zerstört. Kobanê und das Umland sind in drei Himmelsrichtungen von Truppen des 'IS' umgeben. Im Norden der Stadt liegt in unmittelbarer Nähe der Grenzübergang zur Türkei. Um humanitäre Hilfe und den Wiederaufbau von Kobanê zu ermöglichen, ist eine dauerhafte Öffnung des Grenzüberganges zur Türkei für die zurückgekehrten fast 100 000 Menschen in Kobanê unverzichtbar.

Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und Medikamenten als auch Aufräumarbeiten können derzeit nicht ausreichend erfolgen. Es fehlt an Wasser und Lebensmitteln, denn Hilfsgüter dürfen die Grenze oft nicht passieren. Eine dauerhafte Öffnung des Grenzüberganges ist notwendig, um Hilfsgüter, Baumaschinen und -materialien sowie Hilfskräfte vor Ort effektiv einzusetzen.

Die Regierung der Türkei kann die uneingeschränkte Öffnung des Grenzüberganges anordnen. Um die Verantwortlichen in Ankara zu diesem Schritt zu bewegen, bedarf es des Engagements der Bundesregierung, insbesondere des diplomatischen Geschicks des Außenministers.

Die Unterzeichner und Unterzeichnerinnen fordern hiermit den Außenminister Herrn Steinmeier auf, sich in diesem Sinne bei der türkischen Regierung für die uneingeschränkte und dauerhafte Öffnung des Grenzüberganges nach Kobanê einzusetzen, um eine weitere humanitäre Tragödie abzuwenden.

Warum ist das wichtig?

Die Menschen in Kobanê leiden Not, obwohl die benötigten Hilfsgüter wenige Kilometer entfernt vor der Grenze stehen. Idris Nassan (Vize Außenminister von Kobanê/Rojava) bestätigte im persönlichen Gespräch (am 05.Mai 2015), dass es kein fließendes Wasser und kaum Strom gibt. Nicht einmal Medikamente dürfen den türkischen Grenzposten passieren. Wenn gelegentlich doch einmal etwas Hilfe ankommt, ist das nur ein Tropfen auf den heißen Stein.

Die geschlossene Grenze verhindert den Wiederaufbau der Stadt, die mit ihrer demokratischen Selbstverwaltung für eine Alternative mitten im Kriegsgebiet steht. Gemeinsam mit zwei weiteren Kantonen nennt sich dieses Gebiet Rojava, in dem ein Gesellschaftsvertrag die grundlegenden Rechte aller Menschen schützt. Als Initiative 'Eine Schule für Kobanê' (www.schule-kobane.de) wollen wir die Kinder von Kobanê unterstützen. Unser Ziel ist es, den Aufbau einer demokratischen Bildung zu unterstützen, um eine friedliche Perspektive für die Region zu unterstützen. Damit das möglich wird, muss die Grenze geöffnet werden.

Wie die Unterschriften übergeben werden

Herrn Aussenminister Frank-Walter Steinmeier werden die gesammelten Unterschriften persönlich übergeben. Dazu wird die Presse eingeladen.


Ich habe unterzeichnet, weil...

  • ... weil die Menschen in Kobane ohne Hilfe von außen nie ihre Stadt wiederaufbauen können.
  • Ich finde es skandalös, dass nicht alles getan wird was möglich ist, um den Menschen zu helfen und Frieden zu schaffen.
  • Mit meiner Unterschrift möchte ich einen Beitrag für die Kinder in Kobane leisten.

Neuigkeiten

2016-03-30 22:04:24 +0200

Am 8. April werden wir die gesammelten Unterschriften im Aussenministerium übergeben und hoffen, dort Unterstützung für humanitäre Hilfe für Kobanê zu erhalten. Bis zum 6. April sammeln wir Unterschriften.

2015-08-10 16:48:32 +0200

Die Grenze ist zu. Die aktuelle Entwicklung im Grenzgebiet verschärft sich. Wer nimmt die Verantwortung auf sich, im Sinne eines Friedensprozesses zu vermitteln? Vielleicht Herr Steinmeier, davon würden wir Ihn gerne überzeugen. Bis zur Übergabe dieses offenen Briefes sammeln wir weiter Unterschriften, ein Termin steht noch nicht fest.

2015-07-11 10:50:17 +0200

Ein wenig 'normalisiert' sich die Lage in Kobanê. Die Straßenbeleuchtung ist in einzelnen Straßenzügen wieder in Betrieb. Die Versorgung mit Lebensmitteln ist etwas besser geworden. Dennoch mangelt es an vielem (Baumaterial, Schulmaterial, Medikamenten, usw.). Die uneingeschränkte Öffnung der Grenze für humanitäre Hilfslieferungen ist nach wie vor unverzichtbar!

2015-06-30 22:40:19 +0200

Nach den Angriffen des 'IS' in Tunesien, Frankreich, Kobanê und Kuwait hat der 'IS' im Osten von Kobanê angegriffen. Der gerade erst freigekämpfte Landweg von Kobanê zu den weiter östlich gelegenen Gebieten von Rojava ist wieder in Gefahr. Die Öffnung der Grenze durch die Türkei würde zumindest die Versorgung der Zivilbevölkerung ermöglichen.

2015-06-21 15:12:02 +0200

Im Osten des Kantons Kobanê konnte der Landweg zu anderen kurdischen bzw. demokratischen Gebieten erkämpft werden, so dass erste Laster mit Diesel und anderen Hilfsgütern nach Kobanê gelangt sind. Diese Verbindung bleibt allerdings unsicher und es bleibt nach wie vor zu hoffen, dass die Grenze zur Türkei geöffnet wird. Deshalb sammeln wir natürlich weiter Unterschriften!

2015-06-08 17:34:53 +0200

Türkische Behörden beschlagnahmen Hilfslieferung für Kobanê:
http://dkg-giessen.de/blog/?p=244

2015-06-08 17:27:29 +0200

Die englischsprachige Version des offenen Briefes kann man hier nachlesen:
http://www.schule-kobane.de/grenze-auf/text-in-english/

2015-06-05 22:25:31 +0200

Neues von der Grenze. Ein Unterstützer, der derzeit vor Ort ist, hat einen kleinen Bericht verfasst (lesenswert!).
http://www.schule-kobane.de/grenze-auf/bericht-vom-grenz%C3%BCbergang/

2015-05-30 13:30:06 +0200

So siehr es in der Innenstadt von Kobanê aus:
http://www.zeit.de/video/2015-05/4259474581001
Ein ausführlicher Bericht findet sich hier:
http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-05/kobane-syrien-wiederaufbau

2015-05-29 23:09:58 +0200

"ZEIT ONLINE: Es gibt Vorwürfe gegen die türkischen Behörden, Hilfslieferungen zu blockieren. Wie stellt sich das aus Ihrer Sicht dar?
Glasenapp: Die Vorwürfe sind insoweit berechtigt, weil alle Hindernisse beim Grenzverkehr allein politische Ursachen haben. Es gibt keinerlei militärische Gefahr mehr. Die Türkei ist aber äußerst restriktiv, wenn internationale Organisationen Hilfsgüter liefern wollen. [...] Die Verwaltung von Kobani fordert daher zu Recht einen "humanitären Korridor" in die immer noch eingeschlossene Stadt, um den Wiederaufbau gewährleisten zu können.

ZEIT ONLINE: Was könnten die Europäer, was könnte die deutsche Bundesregierung tun?

Glasenapp: In erster Linie: die Türkei auffordern, einen geregelten Zugang für Hilfslieferungen freizugeben, damit die Bevölkerung sich selbst helfen kann.

http://www.zeit.de/politik/ausland/2015-05/kobane-syrien-wiederaufbau

2015-05-29 22:19:05 +0200

Idris Nassan, Vize Außenminister von Kobanê/Rojava in einem Interview (28.05.2015): "Die Schäden wirken sich insbesondere auf das Gesundheitssystem und das Bildungssystem aus. Es gibt praktisch kein Gesundheitssystem und Schulsystem mehr."
Zum ganzen Beitrag: http://www.heise.de/tp/artikel/44/44991/1.html

2015-05-27 08:31:44 +0200

Video über die Zerstörungen in Kobanê: https://youtu.be/0guGVqvDmg8
Das wird eine Menge Wiederaufbauarbeit.

2015-05-27 08:25:15 +0200

Die Situation in Kobanê hat sich noch nicht verbessert. Lebensmittel und Medikamente sind nach wie vor knapp. Dennoch gehen mehr als 4000 Kinder zur Schule und die Aufräumarbeiten werden unter den mangelhaften Bedingungen fortgesetzt. Auf verschiedenen politischen Ebenen wird versucht, die Regierung in Ankara von ihrer Blokadepolitik abzubringen.
Wir (www.schule-kobane.de) danken allen bisherigen Unterzeichner_innen und bitten darum, weitere Interessierte auf den offenen Brief an Herrn Steinmeier aufmerksam zu machen.