An: CDU, SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Linkspartei und FDP in Hessen (im Landtag vertretene Parteien)

Hessisches Landesaufnahmeprogramm für Familienzusammenführung schaffen

Hessisches Landesaufnahmeprogramm für Familienzusammenführung schaffen

Hessen muss auch das Kindeswohl von geflüchteten Kindern schützen und deshalb ein Landesaufnahmeprogramm wieder einführen.
Wir haben verstanden: Kinder und Jugendliche brauchen ihre Eltern. Wir sind bereit, etwas dazu beizutragen, dass nach Deutschland geflüchteten Kindern und Jugendlichen ihre Eltern folgen können. Doch für unser Engagement fehlt die gesetzliche Grundlage. Deshalb fordern wir, die zur Landtagswahl kandidierenden Parteien auf, zu versprechen, im Fall ihrer Regierungsbeteiligung ein Landesaufnahmeprogramm wieder einzuführen.

Warum ist das wichtig?

Kinder- und Jugendtherapeut*innen stellen fest, dass Kinder und Jugendliche für ihre physische und psychische Gesundheit kontinuierliche haltgebende Beziehungen brauchen. Doch das Land Hessen gefährdet das Kindeswohl von minderjährigen Geflüchteten weil es nicht ermöglicht, dass Eltern oder andere Angehörige einreisen können. Siehe dazu den Aufruf von Kinder- und Jugendtherapeut*innen unten!

Das fehlende Programm verhindert zivilgesellschaftliches Engagement, um dieser Form von systematischer Kindeswohlgefährdung entgegen zu wirken. In Berlin und Brandenburg zum Beispiel übernehmen Spender*innen-Kreise für die Dauer von fünf Jahren die anfallenden Kosten für die Familienzusammenführung, damit Familienangehörige eine Einreiseerlaubnis erhalten (siehe http://www.fluechtlingspaten-syrien.de/). Auch wir möchten uns auf diese Weise in Hessen für Kinder und Jugendliche engagieren, doch es fehlt die rechtliche Grundlage dafür.

Bisher zwölf Kinder- und Jugendtherapeut*innen beschreiben die Kindeswohlgefährdung und haben diesen Text unterzeichnet:

***Kindeswohlgefährdung durch Nicht-Handeln des Staates***

"Für die physische und psychische Gesundheit von Kindern und Jugendlichen sind neben der grundlegenden physischen Versorgung stabile, haltgebende Beziehungen insbesondere zu den Eltern als primäre Bezugspersonen hoch bedeutsam.
In Fällen von Kindeswohlgefährdung kommt es vor, dass Kinder durch ihre Eltern gefährdet sind und sie darum vorübergehend von ihren Eltern getrennt werden müssen, um sie zu schützen.
Doch seit dem Jahr 2015 erleben wir Kinder- und Jugendtherapeut*innen regelmäßig, dass Kindeswohlgefährdung vom Staat ausgeht, weil der Staat nicht handelt bzw. kindeswohlgefährdende Regeln erlässt. Wir erleben durch Krieg und Flucht teilweise schwer traumatisierte Kinder und Jugendliche, die in Deutschland leben, doch deren Eltern im Herkunftsland oder auf Zwischenstationen zurückbleiben mussten und nicht zu ihren Kindern nach Deutschland einreisen dürfen. Deutschland verweigert diesen Kindern die Familienzusammenführung und verhindert damit die Kontinuität vorhandener Beziehungen, die die Basis für die Verarbeitung traumatischer Erfahrungen sowie vieler weiterer Entwicklungsschritte bilden.
Unsere Behandlung und Begleitung kann diesen Kindern und Jugendlichen nur eingeschränkt helfen, so lange ihnen ihre Eltern fehlen oder sie in großer Sorge um ihre Angehörigen sind.
In Hessen gibt es derzeit keine rechtliche Möglichkeit, dass Eltern zu ihren Kindern ziehen können, wenn der formale Aufenthaltsstatus eine Duldung oder subsidiärer Schutz (z.B. vor Krieg) ist. Dies ist auch dann nicht möglich, wenn Bürgerinnen und Bürger die Kosten dafür übernehmen würden. Zuvor war dies mit einem Landesaufnahmeprogramm möglich, wie es sie in anderen Bundesländern weiterhin gibt.
Ein solches Landesaufnahmeprogramm wäre die Chance, das Risiko für psychische Erkrankungen minderjähriger Geflüchteter zu verringern bzw. zu ihrer Stabilisierung beizutragen."

Unterzeichner*innen (bis 18. Juni 2018):

Christina Georgi, Psychologische Psychotherapeutin; Marburg
Klaus-Dieter Grothe, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie/ Facharzt für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie; Hüttenberg (Gießen)
Ulrike Hollick, Psychologische Psychotherapeutin; Weimar (Lahn)
Dorothea Hüsson, Dipl. Soz.Päd. Institut Frühe Bildung/ Abteilung Pädagogische Psychologie, Beratung und Intervention; Schwäbisch-Gmünd
Dr. Stephan Heinrich Nolte, Kinder- und Jugendarzt - Psychotherapeut, Lehrbeauftragter der Philipps-Universität Marburg; Marburg
Andrea Ollefs, Diplom-Psychologin; Marburg
Jasmin Osinski, Mag.rer.nat. (Psychologie); Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin; Fulda
Kerstin Rotter, Diplom-Sozialpädagogin, Kinder- und Jugendlichen-Therapeutin (GwG); Hofheim (Taunus)
Heike Runowski, Staatlich anerkannte Heilpädagogin; Salzkotten
Sonay Straßheim, Kinder- und Jugendlichen-Psychotherapeutin; Marburg
Jana Trommer, Diplom-Psychologin & Kinder-und Jugendtherapeutin (GwG); Marburg
Ellen Weinhold, Diplom-Psychologin; Berlin


Ich habe unterzeichnet, weil...

  • Nach dem zweiten Weltkrieg gab es in Deutschland eine hervorragende Familienzusammenführung. In Zeiten internationaler Zusammenarbeit wünsche ich mir das für Geflüchtete in aller Welt.
  • Familien müssen zusammen bleiben
  • Diese arme Kinder bis heute soviel gelitten. Zumindest jetzt das Leben für sie erleichtern!

Neuigkeiten

2018-06-30 14:31:24 +0200

1,000 Unterschriften erreicht

2018-06-27 17:45:42 +0200

500 Unterschriften erreicht

2018-06-24 20:34:17 +0200

100 Unterschriften erreicht

2018-06-22 10:56:56 +0200

Den Appell der Kinder- und Jugendtherapeut*innen haben die Vorsitzenden und Spitzenkandidat*innen der Parteien im Hessischen Landtag bereits erhalten. Ich hoffe, nach den hessischen Schulferien diese Petition mit sehr vielen Unterschriften an die Partei-Vertreter*innen übergeben zu können. Darum zwei Bitten:
* Bitte verbreitet diesen Aufruf weiter! Es müssen viele Unterschriften werden - das gelingt nur, wenn Ihr Eure Netzwerke aktiv nutzt. Fragt Eure Freundinnen und Freunde, Kolleginnen und Kollegen, ob sie auch unterschreiben. Von alleine kommen nicht Tausende Unterschriften zusammen - nur, wenn jede und jeder mehr tut, als nur den Namen dazuzuschreiben!
* Falls hier weitere Kinder- und Jugendtherapeut*innen sind, die die Erklärung zur Kindeswohlgefährdung als Fachleute mit Name und Tätigkeit unterschreiben wollen, freue ich mich über eine Nachricht. Ich füge dann im August die weiteren Namen hinzu.

2018-06-22 10:08:58 +0200

50 Unterschriften erreicht

2018-06-20 09:33:16 +0200

25 Unterschriften erreicht

2018-06-19 08:41:00 +0200

10 Unterschriften erreicht