An: Bischof Stephan Ackermann und Marienhauskliniken GmbH

Keine Abmahnung für streikende Pflegekräfte im katholischen Krankenhaus in Ottweiler!

Keine Abmahnung für streikende Pflegekräfte im katholischen Krankenhaus in Ottweiler!

Am 11.10. streiken Pflegekräfte der katholischen Marienhausklinik im saarländischen Ottweiler für mehr Personal und bessere Arbeitsbedingungen. Um den Streik im Vorfeld zu unterbinden, versucht es die Klinikleitung mit Einschüchterung. In einem Schreiben heißt es, dass „Teilnehmer [des Streiks] mit arbeitsrechtlichen Konsequenzen rechnen müssen“. Dabei wäre eine bessere Personalbesetzung sowohl aus Sicht der Patienten, als auch aus Sicht der Beschäftigten, dringend notwendig. Anstatt endlich mit der Gewerkschaft ver.di über Entlastung zu verhandeln, wird also mit Abmahnung und Entlassung gedroht.

Wir fordern darum die Geschäftsführung der Marienhauskliniken GmbH auf:

- Sehen Sie von arbeitsrechtlichen Maßnahmen gegen die streikenden Kolleginnen und Kollegen ab.
- Verhandeln Sie stattdessen mit ver.di über Personalentlastung und ergreifen Sie geeignete Maßnahmen zur Entlastung des Pflegepersonals.

Wir fordern Bischof Stephan Ackermann auf:
- Setzen Sie sich als zuständiger Bischof dafür ein, dass die Marienhauskliniken GmbH keine arbeitsrechtlichen Maßnahmen gegen ihre Beschäftigten einleitet.
- Wirken Sie darauf hin, dass in den Betrieben des Bistums Trier nach dem christlichen Leitbild einer menschenwürdigen Gesundheitsversorgung gearbeitet werden kann.

Warum ist das wichtig?

In einem offenen Brief begründen die Kolleginnen und Kollegen ihre Entscheidung zu streiken:

Ja, wir werden streiken. Für mehr Personal. Für Arbeitsbedingungen, die es uns ermöglichen, diesen Beruf auch in den nächsten Jahren noch mit Freude auszuüben. Für eine menschenwürdige Pflege, in der ausreichend Zeit bleibt für die Patientinnen und Patienten. Für ein Gesundheitssystem bei dem der Mensch im Mittelpunkt steht und nicht das Geld.

Wir haben uns diese Entscheidung nicht leicht gemacht. Wir haben das Anliegen schon lange über andere Wege thematisiert: wir haben demonstriert, wir haben eine aktive Mittagspause gemacht, wir haben Briefe an den Bischof geschickt und die Klinikleitung auf das Problem hingewiesen. Es hat sich jedoch nichts verändert. Immer erwarten alle, dass es doch irgendwie weiter geht und dass die Pflege sich letztendlich aufopfert. Das letzte Mittel, das uns bleibt, ist der Streik.

Wir streiken nicht gegen „unser Haus“, sondern für unser Krankenhaus. Wir sind Teil einer bundesweiten Bewegung der Pflege, die sich an die Politik richtet, endlich gute Pflege zu ermöglichen. Wir brauchen eine gesetzliche Personalbemessung und fordern von allen Parteien die Einlösung ihrer Wahlversprechen. Nicht dieser Streik ist schlecht für „unser Haus“, sondern der Normalzustand. Wir wollen ein Krankenhaus, dass dem eigenen Leitbild gerecht werden kann.

Wir streiken nicht, weil es ein kirchliches Unternehmen ist, sondern trotzdem. Wir denken nicht, dass die Arbeitsbedingungen in kirchlichen Krankenhäusern besser oder schlechter sind, als in kommunalen oder privaten Krankenhäusern. Der Unterschied ist aber, dass in anderen Krankenhäusern mit der Gewerkschaft über die Arbeitsbedingungen verhandelt wird (z.B. SHG Kliniken und Uniklinik des Saarlandes) und bei uns nicht. Das muss sich ändern, sonst wird sich am Personalmangel nichts verändern.

Wir lassen uns nicht einschüchtern. Auch wenn die Klinikleitung noch zehn Briefe schreibt, dass es verboten ist zu streiken, lassen wir uns nicht länger einschüchtern.Zu lange haben wir dieses Spiel mitgespielt und sind ruhig geblieben. Wir haben gemeckert, aber letztendlich doch weitergemacht. Damit muss Schluss sein. Wir wissen auch: Jeder Beschäftigte in Deutschland hat das Recht für bessere Arbeitsbedingungen zu kämpfen und zu streiken. Egal ob kirchlich, kommunal oder privat. Dieses Recht kann uns niemand nehmen.

Liebe Kolleginnen und Kollegen aus anderen Krankenhäusern, liebe Bürgerinnen und Bürger, wir brauchen auch eure Unterstützung. Hier geht es nicht nur um uns. Hier geht es darum, wie unsere Gesellschaft mit kranken und alten Menschen umgeht. Hier geht es um Menschenwürde. Hier geht es um UNSER Krankenhaus.

Wir brauchen euch jetzt.

Die streikbereiten Kolleginnen & Kollegen der Marienhausklinik Ottweiler

Hintergrund: Warum droht ein kirchliches Unternehmen mit Abmahnungen und Kündigung?

Die christlichen Kirchen gehören mit über einer Millionen Beschäftigten zu den wichtigsten Arbeitgebern im Bereich der sozialen Einrichtungen in Deutschland. Allerdings werden den Beschäftigten von der Kirche keine gleichwertigen Rechte wie in weltlichen Betrieben zugebilligt. Dies wird mit der „christlichen Dienstgemeinschaft“ begründet. Es wird ein vermeintlich gleiches Interesse von Arbeitgebern und Beschäftigten unterstellt. Die Arbeitsbedingungen werden im sogenannten „Dritten Weg“ ausgehandelt. Dabei behauptet die Kirche, dass die Beschäftigten kein Streikrecht hätten. Letztendlich sichern sich kirchliche Unternehmen über diesen Weg einen Wettbewerbsvorteil.

Doch das im Grundgesetz verankerte Streikrecht darf man Beschäftigten nicht nehmen. Dieses kann bei der aktuellen innerkirchlichen Organisation weder durch besondere Arbeitsverträge, noch durch das spezielle Kirchenrecht eingeschränkt werden. Das bestätigten auch das Bundesarbeitsgericht und das Bundesverfassungsgericht.

Unterstützt die Beschäftigten am 11.10. in Ottweiler

Unterstützt uns am 11.10. ab 6 Uhr morgens beim Streikposten vor dem Krankenhaus. Das Streiklokal befindet sich dann bis zur Demonstration im Zapata (Wilhelm-Heinricht Straße 4).

Ab 16:30 Uhr startet die Demonstration vor dem Marienkrankenhaus in Ottweiler. Die Abschlusskundgebung startet um ca. 17:30 Uhr auf dem Schlossplatz.


Ich habe unterzeichnet, weil...

  • Abgemahnt gehören Gesetzgeber, die Gesundheit mit Profitmaximierung verbinden.
  • Nicht nur wegen sehr positiv erlebten Pflegekräften unterstütze ich die Anliegen dieser Berufsgruppe.
  • für mehr Personal, bessere Arbeits-Bedingungen u. menschenwürdige Pflege, d. h. ausreichend Zeit für Patienten; und: ein Gesundheitssystem bei dem der MENSCH im Mittelpunkt steht, nicht das Geld.

Neuigkeiten

2017-10-23 22:54:13 +0200

5,000 Unterschriften erreicht

2017-10-10 08:27:56 +0200

Heute in der Saarbrücker Zeitung:
https://www.saarbruecker-zeitung.de/aufregung-vor-der-grossen-premiere_aid-5376067

2017-10-10 04:08:30 +0200

500 Unterschriften erreicht

2017-10-09 18:32:08 +0200

100 Unterschriften erreicht

2017-10-09 17:44:50 +0200

50 Unterschriften erreicht

2017-10-09 17:10:44 +0200

25 Unterschriften erreicht

2017-10-09 16:23:48 +0200

10 Unterschriften erreicht