An: Henning Giesecke und Patrick Müller-Sarmiento, Vorsitzende der Geschäftsführung von Real

Keine Gesichtsanalyse im Supermarkt!

Keine Gesichtsanalyse im Supermarkt!

Sehr geehrter Herr Gieseke,
sehr geehrter Herr Müller-Sarmiento,

wir sind empört darüber, dass sie in ihren real-Supermärkten unsere Gesichter und Gefühle analysieren, ohne uns Kunden darüber zu informieren. Ein allgemeiner Hinweis auf eine Video-Überwachung reicht hier nicht aus - denn was Sie praktizieren, geht weit darüber hinaus!

Die Erhebung biometrischer Daten, die für die Gesichtsanalyse nötig sind, ist ein massiver Übergriff, denn sie machen uns eindeutig identifizierbar. Stoppen Sie diese Praktiken bitte sofort!

Warum ist das wichtig?

Die Supermarktkette real lässt die Gesichter von Kunden analysieren, die Bildschirme mit Werbung im Kassenbereich anschauen. Einem Real-Sprecher zufolge erfasst die Kamera alle Blickkontakte des Kunden mit dem Bildschirm. Die Kamera analysiere Geschlecht und Alter und speichere die Dauer der Betrachtung.[1]

Doch die Kunden werden darüber nicht informiert. Es gibt lediglich einen allgemeinen Hinweis: "Dieser Markt wird videoüberwacht." Kein Wort davon, dass dort Software zur Gesichtsanalyse oder Emotionserkennung eingesetzt wird. real behauptet zwar, das alles sei legal. Doch Datenschützer haben daran große Zweifel. Und fair gegenüber den Kunden ist es auf keinen Fall! [2] Die Erhebung biometrischer Daten, um unsere Gesichter und Gefühle zu analysieren ist ein massiver Übergriff.

Um mit dem Onlinehandel mithalten zu können, setzen immer mehr Handelskonzerne auf sogenanntes "Real Life Tracking". Anonymes Einkaufen könnte damit bald der Vergangenheit angehören. Wenn ein Kunde das WLAN an seinem Smartphone eingeschaltet hat, kann die Netzwerkseriennummer des Geräts ausgelesen und gespeichert werden. Es ist auch möglich festzustellen, vor welchen Regalen er länger stehen geblieben ist. Und wenn die Daten dann noch mit dem Kassenbon zusammen gebracht werden, kann man ihm beim nächsten Besuch bestimmte Produkte empfehlen - ähnlich wie bei Online-Händlern. Der Kunde wird gläsern.

Doch die Datensammelwut der Konzerne ist in Läden noch viel problematischer, als im Internet. "Im Internet muss der Nutzer (...) informiert werden und kann sein Widerspruchsrecht ausüben. Im Supermarkt soll der Kunde nun digital erfasst und automatisiert vermessen werden. Weder bekommt er hiervon etwas mit, noch kann er sich dagegen wehren", sagt der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar. [3] Besonders problematisch ist es, wenn sensible biometrische Daten gespeichert werden, die prinzipiell die Identifizierung einzelner Personen ermöglichen - zumal, wenn sie auch noch mit anderen Daten zusammengeführt werden.

Schon einmal haben Datenschützer den Metro-Konzern, zu dem real gehört, zum Einlenken gezwungen. Damals versuchte der Konzern in Kundenkarten Schnüffelchips einzubauen. Wenn wir jetzt laut protestieren, können wir auch andere Firmen davon abhalten, dem schlechten Beispiel reals zu folgen.

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Wenn diese Petition auf Interesse stößt, werden wir Sie weiteren Campact-Aktiven empfehlen.

[1] "Real lässt Gesichter von Kunden analysieren", SPIEGEL-Online am 29.05.2017
[2] "Gesichtsanalyse im Real-Supermärkten überschreitet Grenzen", Kommentar auf datenschutz-beauftragter.info vom 30.05.2017
[3] "So rüsten Supermärkte im Kampf mit dem Online-Handel auf", SPIEGEL-Online am 05.06.2017


Ich habe unterzeichnet, weil...

  • Ich möchte nicht überwacht werden.
  • Vielleicht sollte man die Großmärkte meiden (egal welche) und lieber den kleinen Händler um die Ecke unterstützen, der dein Gesicht kennt und auch mal fragt: wie geht's? !!! Der braucht wahrscheinlich keinen Scanner!
  • Gegen Überwachung, Tracking oder automatisierte Analyse meines Körpers.

Neuigkeiten

2017-06-23 16:43:58 +0200

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2017-06-08 17:28:12 +0200

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