An: Die Ministerpräsident/-innen der Bundesländer

Keine Einschränkung der Jugendhilfe – Zukunftsperspektiven für geflüchtete Jugendliche!

Keine Einschränkung der Jugendhilfe – Zukunftsperspektiven für geflüchtete Jugendliche!

Sehr geehrte Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten,

tausende unbegleitete minderjährige Flüchtlinge haben es in Selbstständigkeit und Ausbildung geschafft. Dafür war Unterstützung nötig - diese darf nicht gefährdet werden. Wir sagen: Sparen Sie nicht an der Zukunft. Bitte setzen Sie sich für eine starke Jugendhilfe ein.

- Keine Kürzung der Jugendhilfe für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge. Wer in betreuten Wohngruppen (§34 SGB VIII) statt großen Unterkünften mit geringer Betreuung lebt, hat deutlich bessere Chancen auf einen erfolgreichen Bildungsverlauf und gesellschaftlicher Teilhabe.

- Hilfen für junge Volljährige (§41 SGB VIII) müssen vollumfänglich möglich sein. Sie sind essentiell, um die Erfolge von Schule und Jugendhilfe abzusichern.

- Kinderrechte und Kinderschutzstandards müssen für geflüchtete Kinder und Jugendliche ohne Einschränkung gelten. Sie brauchen einen besonderen Schutz vor Ausbeutung und Bedrohungen.

Warum ist das wichtig?

Arzijana, Soltan, Bintou und Hassan sind vier minderjährige Flüchtlinge, die ohne Eltern nach Deutschland kamen. Ihre Berufe: Zahnarzthelferin, Betonbauer, Köchin und Sprachmittler. In unseren Videos ist zu sehen, was sie seit ihrer Ankunft erreicht haben:

https://vimeo.com/bumfev

Auf ihrem Weg wurden viele Jugendliche unterstützt - durch eine starke Jugendhilfe in einem sicheren Umfeld: in Wohngruppen mit Betreuung durch Pädagog/-innen, mit Nachhilfe und Freizeitaktivitäten. Diese Unterstützung ist nun in Gefahr: Derzeit wird bei den Ministerpräsidentenkonferenzen über eine Änderung der Kinder- und Jugendhilfe (SGB VIII) verhandelt. Das Ziel: Kosten bei der Unterbringung und Betreuung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge sparen. [1]

Eine besonders absurde Begründung für Einsparungen kommt vom Freistaat Bayern: Minderjährige, die ohne ihre Eltern den gefährlichen Weg nach Deutschland geschafft haben, seien selbstständiger als Andere und bräuchten daher weniger Unterstützung. [2]

Dass Kinder und Jugendliche, die oft Gewalt erleben mussten und alleine vor Krieg, Not und Verfolgung geflohen sind, weniger Hilfe als andere Minderjährige brauchen, ist genauso falsch wie fatal für gelingende Teilhabe und erfolgreiche Bildungsverläufe.

Jugendliche, die in großen Einrichtungen mit geringer Betreuung leben müssen, statt in dem gesicherten Umfeld einer betreuten Wohngruppe oder bei Pflegeeltern aufzuwachsen, haben es deutlich schwerer, Erlebtes zu verarbeiten und die notwendige Hilfe beim Ankommen und Weiterkommen zu erhalten [3]. Kosteneinsparungen gefährden die bereits erzielten Erfolge, da sozialpädagogische Stabilisierung und Begleitung die entscheidenden Faktoren sind [4].

Wir sagen: Statt kurzfristig Kosten zu sparen, müssen langfristige Perspektiven geschaffen werden. Wer will, dass junge Flüchtlinge schnell auf eigenen Füßen stehen, Ausbildungen abschließen und als selbständige Menschen teilhaben, darf Hilfen nicht kürzen, sondern muss diese ausbauen.

--

Neben der Onlinepetition kann auch das Unterschriftenformular heruntergeladen werden, um handschriftliche Signaturen zu sammeln.

Unterschriftenliste (pdf): https://is.gd/67fSfd

Diese können Sie uns gerne eingescannt an info@b-umf.de oder via Fax an die Nummer +49 (0)30 82 09 743 – 9 senden.

Für Jugendliche in Jugendhilfeeinrichtungen und Beratungsstellen finden Sie hier die Übersetzungen der konkreten Forderungen auf Dari, Arabisch, Englisch und Französisch:

Forderungen Dari (pdf): https://is.gd/Nb1TiE
Forderungen Englisch (pdf): https://is.gd/dqeKsA
Forderungen Arabisch (pdf): https://is.gd/fLpVym
Forderungen Französich (pdf): https://is.gd/M5qPCu

--

Mehr Informationen:
www.jogspace.net
www.b-umf.de

--

[1] Beschluss der Ministerpräsidentenkonferenz vom 22. April 2016. http://www.b-umf.de/images/Beschluss_MPK_22042016.pdf

[2] Beschlussvorlage des Freistaats Bayern zur Ministerpräsidentenkonferenz vom 22. April 2016.

[3] Pressemitteilung des Institut für Kinder und Jugendhilfe gGmbH. http://www.b-umf.de/images/20160322_BVkE_IKJ_PM.pdf

[4] Stellungnahme des Bundesfachverband umF vom 27.04.2016.
http://www.b-umf.de/images/Stellungnahme_Standardabsenkungen_SGBVIII.pdf


Ich habe unterzeichnet, weil...

  • Ich habe unterzeichnet, weil ich eine Zwei-Klassen- Jugendhilfe zutiefst ungerecht finde. Gisela R.
  • Seit 2003 unterstützte ich junge Flüchtlinge gemeinsam mit vielen Ehrenamtlichen des Vereins Ausbildung statt Abschiebung in Bonn
  • Weil ich jeden Tag erleben kann und darf, wie Jugendhilfe diesen jungen und besonders schutzbedüftigen Menschen dabei helfen kann, eine langfristige Lebensperspektive aufzubauen und ihnen, zumindest ansatzweise, hilft all die schrecklichen Dinge, die ihnen im Herkunftsland und/oder auf der Flucht zugestoßen sind, zu verarbeiten! Wie kann man überhaupt darüber nachdenken, ihnen diese Hilfe zu verwehren?

Neuigkeiten

2016-10-03 10:01:49 +0200

10,000 Unterschriften erreicht

2016-06-14 18:46:06 +0200

1,000 Unterschriften erreicht

2016-06-14 09:35:03 +0200

500 Unterschriften erreicht

2016-06-13 18:58:46 +0200

100 Unterschriften erreicht

2016-06-13 17:46:40 +0200

25 Unterschriften erreicht