An: Deutscher Bundestag, z.Hd. der Fraktionsvorsitzenden Herrn Volker Kauder, Herrn Thomas Oppermann, Herrn Gregor Gysi, Frau Katrin Göring-Eckhardt, Herrn Anton Hofreiter

Leere Tonne - Wegwerfstopp für Supermärkte

Leere Tonne - Wegwerfstopp für Supermärkte

Wir fordern ein Gesetz, das den Supermärkten das Wegwerfen essbarer Lebensmittel verbietet, ähnlich wie es in Frankreich kürzlich und in Wallonien 2014 beschlossen wurde.

Supermärkte und andere Lebensmittelhändler sind zu verpflichten, alle unverkäuflichen, aber noch genießbaren Lebensmittel an Organisationen abzugeben, die dem Gemeinwohl verpflichtet sind, oder ihren Mitarbeitern oder Kunden zu schenken. Was nicht mehr für den menschlichen Verzehr geeignet ist, sollte an Tiere verfüttert werden. Kompostierung und „Energetische Verwertung“, wie die Verbrennung oder Vergärung zu Biogas, soll nur möglich sein, wenn die Lebensmittel weder für Mensch noch Tier geeignet sind.

Nachdem der deutsche Bundestag bereits im Jahr 2012 Maßnahmen gegen die Lebensmittelverschwendung gefordert hat, müssen den Worten nun endlich Taten folgen.

Warum ist das wichtig?

Der Wegwerfskandal
50 Prozent aller Lebensmittel werden weggeworfen: Jeder zweite Kopfsalat, jede zweite Kartoffel und jedes fünfte Brot. Das meiste davon endet im Müll, bevor es überhaupt die privaten Haushalte erreicht. Bis zu 20 Millionen Tonnen Lebensmittel werden in Deutschland jährlich weggeworfen, teilweise noch originalverpackt, oft ist nicht einmal das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht.
In der Tonne landen wertvolle Lebensmittel, für deren Herstellung Menschen schwer gearbeitet haben und große Mengen Rohstoffe, Wasser und Energie verbraucht wurden.
Die globale Nahrungsmittel-Vernichtung ist ein Skandal angesichts einer Milliarde hungernder Menschen, zumal vieles was wir konsumieren und wegwerfen aus Ländern stammt, in denen Hunger und Wassermangel herrscht. Lastwagen, Flugzeuge und Schiffe transportieren Millionen Tonnen Lebensmittel um die Erde, nur damit sie bei uns auf der Mülldeponie landen. Das ist ethisch überhaupt nicht vertretbar, ökonomisch wahnsinnig und ökologisch eine Katastrophe.
Auch die Auswirkungen auf das Weltklima sind verheerend. Die Landwirtschaft ist energieintensiv und setzt viele Treibhausgase frei. Regenwald wird für Weideflächen gerodet. Nicht unbedeutend sind auch die auf den Müllkippen vergärenden Lebensmittel-Abfälle, denn die entstehende Klimagase beschleunigen die Klimaerwärmung.

Welche Rolle spielen die Supermärkte?
Die Bundesregierung wendet sich selbst fast ausschließlich an die Verbraucher. Aber diese Appelle reichen nicht aus, wenn die Regierung das selbst gesteckte Ziel erreichen will, in den nächsten fünf Jahren die skandalöse Lebensmittelverschwendung um die Hälfte zu reduzieren.
Denn die Supermärkte haben eine zentrale Rolle bei der Verringerung der Lebensmittelverschwendung. Zum einen schmeißen sie selbst Millionen Tonnen essbare Lebensmittel weg, weil ein Mindesthaltbarkeitsdatum näher rückt oder eine braune Stelle ein Stück Obst oder Gemüse weniger schön erscheinen lässt. Zum anderen haben sie in der Geschichte des großen Wegwerfens eine Scharnierfunktion. Sie entscheiden durch ihre Beschaffungspraxis mit darüber, wie viel Gemüse als unverkäuflich auf den Äckern verbleibt und durch ihre Werbung, wie viele KonsumentInnen durch Sonderangebote und Großgebinde mehr nach Hause tragen, als sie eigentlich benötigen. Das führt zu einer Überproduktion entlang der gesamten Produktionskette.

Frankreich und Wallonien
Frankreich hat den Wegwerfstopp für Supermärkte zum Gesetz gemacht. Wallonien (ein Teil Belgiens) schon 2014. Es verbietet Lebensmittelhändlern, unverkaufte Ware einfach wegzuwerfen. Unverkauftes soll gespendet werden, es kann auch als Tiernahrung oder als Kompost für die Landwirtschaft zum Einsatz kommen. Größere Supermärkte (ab 400 Quadratmetern) müssen einen Vertrag mit einer karitativen Organisation über die Abgabe von Lebensmittelspenden schließen. Das Thema soll auch im Schulunterricht eine wichtige Rolle spielen. In Belgien können Supermärkte, die die Vorgaben nicht erfüllen, sogar geschlossen werden.

Was erreicht unsere Kampagne?
Es kann nicht angehen, dass das Wegwerfen billiger ist für die Unternehmen als das Weiterverwenden. Deshalb müssen auch die Entsorgungskosten von Lebensmittel-Müll für Supermärkte und Großhandel verteuert werden.
Wir sprechen mit den Bundestagsfraktionen und machen öffentlich Druck für das Gesetz zum Wegwerfstopp. Wir bringen die Entscheidungsträger auf Trab - mit Witz und Argumenten, mit Aktionen und mit guten Alternativen. Denn es braucht die gesellschaftliche Auseinandersetzung über die tägliche persönliche Konsumentscheidung hinaus.
Mit einem Gesetz, das Supermärkten das Wegwerfen verbietet, würde vieles in Bewegung kommen, da sie alle Verbraucher erreichen und ein anderes Bewusstsein befördern können. Verändern soll sich der Umgang mit optisch nicht mehr ganz perfekten Lebensmitteln, aber auch der Einkauf der Supermärkte.

Was muss außerdem passieren?
Wir brauchen ein Gesamtkonzept gegen die Lebensmittelverschwendung entlang der ganzen Produktionskette.
Letztlich geht es nicht allein um die Supermärkte: es braucht wirksame Maßnahmen, um auch bei der Produktion weniger auf dem Acker zu lassen. Standards und Normen, die gutes Obst oder Gemüse aufgrund ihrer Größe oder Form vom Verkauf ausschließen, müssen vom Tisch. Bildungsangebote und Öffentlichkeitsarbeit sollen werben für einen bewussten Umgang mit Nahrungsmitteln und Essensresten.
Und schließlich sollten für gesundheitlich unproblematische Produkte wie Wasser, Reis, Zucker das Mindesthaltbarkeitsdatum gänzlich abgeschafft werden und durch ein Produktionsdatum ersetzt.
Darüber hinaus geht es darum, regionale Vermarktung zu fördern und die Überproduktion zu bremsen. Die Verschwendung geht weiter, solange Gesetze beispielsweise verlangen, dass Lebensmittel zu Agrosprit verarbeitet werden und die Agrarförderung auf Massen- und Billigproduktion setzt.

Wie die Unterschriften übergeben werden

Wir werden in den nächsten Monaten mit vielen Aktionen auf die Kampagne aufmerksam machen und wollen den Fraktionsvorsitzenden die Unterschriften persönlich übergeben.
*** Die Kampagne - und die Übergabe - wird gemeinsam organisiert von Aktion Agrar, dem foodsharing Netzwerk und der Slow Food Jugend Deutschland. ***


Ich habe unterzeichnet, weil...

  • ...wann hört diese Lebensmittelverschwendung endlich auf, es wäre doch ein Leichtes, z.B. der Wallonie, die auch bereits gegen CETA einiges erreicht hat, zu folgen. Auch der Protest gegen CETA muss auf allen Ebenen und mit allen Möglichkeiten fortgeführt werden. Unterstützt daher bitte auch meine CETA-Petition: https://www.change.org/p/bundesverdienstkreuz-für-die-initiatorin-der-ceta-klage-frau-marianne-grimmenstein
  • ganz einfach: Vernichtung von Lebensmitteln ist nicht (öko)logisch / nicht ökonomisch / unsozial / unethisch
  • Lebensmittel sind wertvoll – nicht nur angesichts der großen Armut in dieser Welt. Es ist eine Schande, Lebensmittel weg zu werfen !!! Nicht verkaufte Lebensmittel können an die ortsansässige "Tafel", an Bedürftige oder foodsharing-Projekte weiter gegegeben werden. "Ab in die Mülltonne" ist keine Lösung, sondern einfach nur pervers.

Neuigkeiten

2015-10-15 08:27:32 +0200

Fieberhaft laufen die Vorbereitungen: 19 Bundestagsabgeordnete haben zugesagt und die Staatssekretärin des Agrarministeriums. Wir machen morgen Aktion vor dem Bundestag mit einer riesigen "Tafel der Verschwendung" und zeigen, wie viele köstliche Lebensmittel allein in einem Bruchteil Berlins weggeworfen werden. Drückt uns die Daumen, dass das Wetter erträglich ist!

2015-08-21 10:54:24 +0200

In Frankreich hat das Verfassungsgericht das Supermarkt-Gesetz zum Wegwerfstopp für verfassungswidrig erklärt - allerdings aus formalen Gründen. Große Aufregung dort und bei uns auch: Wir brauchen klare Regeln, denn sonst redet sich jeder Supermarkt mit seinen Konkurrenten und Kundinnen und Kunden raus! Unsere Kampagne geht weiter! Unsere Pressemitteilung könnt Ihr hier lesen: https://www.aktion-agrar.de/pressemitteilungen/

2015-08-19 15:00:20 +0200

Wir haben fast 20.000 Unterschriften beisammen. Immer mehr Menschen fordern mit uns den Wegwerfstopp für Supermärkte - und können es nicht fassen, welche Mengen leckerer und wertvoller Lebensmittel täglich in den Müll wandern. http://www.leeretonne.de/wp-content/uploads/2015/07/image1.jpeg

2015-08-04 09:00:14 +0200

Yeah! Wir haben über 15.000 Unterschriften gesammelt und es geht munter weiter. In Bayreuth wurde schon eine Riesenkarotte (mit Armen und Beinen) gesichtet, die in einer Mülltonne stehend viele zusätzliche Unterzeichner*innen gewinnen konnte. https://www.aktion-agrar.de/wp-content/uploads/2015/07/Aufkleber-Karotte-Rand-orange_final.jpg

2015-07-21 20:36:23 +0200

Am Montag, den 20. Juli waren wir mit der Aktion in Köln und schütteten körbe- und säckeweise Brot und Brötchen vor der Zentrale von REWE auf die Straße. Denn diese Supermarktkette zwingt Bäckereien, die in ihrem Vorkassenbereich einen Backshop machen, dazu, bis zum Ladenschluss die Regale voll zu machen und so viele Tonnen Backwaren zusätzlich wegzuwerfen. Mehr hier: http://www.leeretonne.de/news/

2015-07-07 10:30:32 +0200

Eine kämpferische Karotte, eine traurige Kartoffel, ein liebenswerter Apfel und eine Mülltonne mit großen Zähnen: Wir haben coole Aufkleber gedruckt, die gerne möglichst breit verklebt sein wollen. Sie passen an so viele Orte... mehr:
http://www.leeretonne.de/aktiv-werden/downloads/