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An: Die Forschungsministerin Dorothee Bär (CSU)

Jüdische Studierende konsequent schützen und stärken!

Viele jüdische Studierende in Deutschland haben Angst, zur Uni zu gehen. Antisemitische Bedrohungen, Boykottaufrufe und Einschüchterungen gehören häufig zum Studienalltag.
Seit dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 hat sich die Lage an vielen Hochschulen dramatisch verschärft. Jüdische Studierende meiden den Campus, ziehen sich aus Diskussionen zurück oder versuchen zu verheimlichen, dass sie jüdisch sind. 

Es beginnt mit antisemitischen Schmierereien. Mit Beschimpfungen in Seminaren und Chatgruppen. Und eskaliert in Drohungen und Gewalt. Gleichzeitig fehlen an vielen Hochschulen wirksame Schutz- und Unterstützungsstrukturen. Das kann so nicht bleiben!

Eine Hochschule darf kein Ort sein, an dem Menschen ihre Identität verstecken müssen, um sicher studieren zu können.
Hochschulen tragen Verantwortung für den Schutz ihrer Studierenden und Beschäftigten. Deshalb müssen sie Antisemitismus konsequent vorbeugen, Betroffene wirksam unterstützen und verbindliche Schutzstandards schaffen.

Deshalb fordern wir die Forschungsministerin auf, Hochschulleitungen anzuleiten, verbindliche Schutzstandards gegen Antisemitismus an allen Hochschulen umzusetzen.

Wir fordern:
1. Verbindliche Schutzkonzepte gegen Antisemitismus an jeder Hochschule
Jede Hochschule muss ein verbindliches Schutzkonzept gegen Antisemitismus entwickeln und umsetzen. Es braucht klare Handlungsabläufe für antisemitische Vorfälle, transparente Zuständigkeiten sowie konsequente Maßnahmen zum Schutz von Betroffenen und eine Orientierung an der IHRA-Arbeitsdefinition (2). Hochschulen dürfen nicht erst handeln, wenn etwas passiert ist. Diese Schutzkonzepte sollen in den Leitlinien oder der Hausordnung genannt werden.

2. Niedrigschwellige Meldemöglichkeiten für antisemitische Vorfälle
Jede Hochschule muss auf ihrer Website einen gut sichtbaren Meldebutton für antisemitische Vorfälle einrichten, der direkt auf die zuständige Meldestelle „Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus” verweist. Betroffene und Zeug*innen müssen unkompliziert Vorfälle melden und Unterstützung erhalten können.

3. Qualifizierte Antisemitismusbeauftragte an jeder Hochschule
Jede Hochschule braucht eine unabhängige Ansprechperson für Antisemitismus mit einem klaren Mandat. Sie müssen Kompetenzen wie andere Beauftragte haben. Antisemitismusbeauftragte müssen zudem verbindlich qualifiziert werden. Dabei sollen die Qualifizierungen in Zusammenarbeit mit zivilgesellschaftlichen Expert*innen und Organisationen erfolgen. Regelmäßige Fortbildungen müssen verpflichtend sein. Ihre Berufung darf keine Symbolpolitik sein. Sie müssen Betroffene kompetent beraten und Hochschulen wirksam unterstützen. 

4. Jüdische und antisemitismuskritische Studierende nachhaltig stärken
Hochschulen müssen jüdische und antisemitismuskritische Hochschulgruppen finanziell und strukturell unterstützen. Wer sich gegen Antisemitismus engagiert, darf nicht isoliert oder behindert werden, sondern braucht Räume, Sichtbarkeit und verlässliche Förderung.

5. Antisemitismusprävention als verbindlichen Bestandteil der Hochschulkultur verankern
Antisemitismusprävention darf kein Randthema sein. Hochschulen müssen regelmäßig Fortbildungen, Sensibilisierungsangebote und Bildungsmaßnahmen für Lehrende, Beschäftigte und Studierende anbieten sowie klare Position gegen Antisemitismus beziehen.

Warum ist das wichtig?

85 Prozent der jüdischen Studierenden in Deutschland geben an, ihre jüdische Identität an der Hochschule mindestens einmal verborgen zu haben. Zwischen 2022 und 2025 kam es zu mehr als 1.050 antisemitischen Vorfällen an deutschen Hochschulen. Alleine 2025 sind 424 Vorfälle an Hochschulen dokumentiert. (1)

Trotz dieser alarmierenden Entwicklung fehlen an vielen Hochschulen noch immer verbindliche Schutzkonzepte, klare Zuständigkeiten und niedrigschwellige Anlaufstellen.Oft sind es die Betroffenen selbst, die auf antisemitische Vorfälle reagieren müssen, weil die Hochschulen überfordert oder unwillens sind. Jüdische Studierende ziehen sich aus universitären Räumen zurück, verbergen ihre Identität oder organisieren sich unter sich.

Antisemitische Vorfälle werden häufig erst dann bearbeitet, wenn sie bereits eskaliert sind. Jüdische Studierende berichten von einem Klima der Angst, des Rückzugs und der Selbstzensur. Das kann so nicht bleiben!

Hochschulen müssen sichere Orte für alle Studierende sein. 

Quelle 
2) International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA), Arbeitsdefinition von Antisemitismus

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2026-10-06 21:35:56 +0200

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