An: Niedersächsischer Landtag, Ministerpräsident des Landes Niedersachsen, Aufsichtsrat der Volkswagen AG
Konsequent Handeln - Beschleunigter Ausstieg von Volkswagen aus der Verbrennungstechnologie
Forderung nach einem beschleunigten Ausstieg der Volkswagen AG aus der Verbrennungstechnologie und einer intensiveren Zusammenarbeit mit Forschung und Wissenschaft zur Förderung nachhaltiger Mobilität
Sehr geehrte Verantwortliche, sehr geehrte MitbürgerInnen,
Volkswagen, einst ein Symbol deutscher Ingenieurskunst, steht an einem Scheideweg. Trotz der weltweit spürbaren Klimakrise und des steigenden Drucks, CO₂-Emissionen massiv zu reduzieren, fehlt bislang ein klares Bekenntnis zu einem schnelleren Ausstieg aus Verbrennertechnologien und zur konsequenten Elektromobilität. Wir fordern den Konzern auf, die notwendigen Schritte zu unternehmen, um national wie international eine zukunftsfähige, nachhaltige Mobilität zu fördern, die den Bedürfnissen von Mitarbeitern und Kunden gerecht wird.
Aktuelle Entwicklungen und Herausforderungen:
- Rückläufige Gewinne und wirtschaftliche Unsicherheiten:
Im dritten Quartal 2024 verzeichnete Volkswagen einen drastischen Gewinneinbruch von 63,7 %, der durch hohe Kosten und rückläufige Verkaufszahlen in China verursacht wurde. Die Unternehmensführung sieht erhebliche Kostensenkungen und Effizienzsteigerungen als notwendig an, um die Wettbewerbsfähigkeit zu sichern. - Geplante Werksschließungen und Personalabbau:
Es besteht die Möglichkeit, dass drei der zehn deutschen Werke geschlossen und die verbleibenden verkleinert werden. Mitarbeiter müssen mit Gehaltskürzungen und Verlagerungen ins Ausland rechnen. Diese Maßnahmen haben Spannungen mit Arbeitnehmervertretungen und Gewerkschaften ausgelöst, die alternative Lösungen fordern. - Wettbewerbsdruck durch internationale Akteure:
Volkswagen steht einem intensiven Wettbewerb durch neue und etablierte Marktteilnehmer, vor allem aus China, gegenüber, die preiswerte und technologisch fortschrittliche Elektrofahrzeuge anbieten. Dies erhöht den Druck auf Volkswagen, Produktpalette und Preisgestaltung anzupassen.
Hintergrund: Versäumnisse in der E-Strategie
Volkswagen hat zwar erste Schritte unternommen, doch die bisherigen Entscheidungen offenbaren eine inkonsistente Elektrostrategie:
- Inkonsistente Produktentwicklung:
Die Einführung des ID.3 und die Aufgabe früherer E-Modelle wie e-Golf und e-Up! wurden von langjährigen Kunden und Mitarbeitern als Bruch mit der vertrauten Produktpalette wahrgenommen. Der ID.3, so sinnvoll er ist, schließt nicht die Lücke, die ein elektrischer Passat hätte besetzen können – ein Modell, das von Familien und Vielfahrern geschätzt wird. Der ID. Buzz wiederum kam ohne die erwartete Flexibilität auf den Markt: Während der ID.6 in China als Siebensitzer erhältlich ist, wurde der Buzz in Deutschland nur als Fünfsitzer angeboten. Dies zeigt mangelnde Ausrichtung auf die hiesigen Bedürfnisse. - Fehlende Vision und Rückschläge bei Modellen:
Der ID.2, als erschwingliches Einstiegsmodell geplant, wurde mehrfach verschoben und schließlich zurückgestellt. Dies schadet nicht nur dem Vertrauen der Kunden, sondern lässt VW im unteren Preissegment – einem dringend benötigten Bereich der Elektromobilität – ohne echte Alternative. - Mangelnde Einbindung der Belegschaft:
Volkswagens Mitarbeiter sind auch potenzielle Kunden. Fehlende Einbindung und Informationsdefizite sorgen jedoch für Unsicherheit und schwächen die Bindung an den eigenen Arbeitgeber. Viele können sich derzeit kein E-Auto leisten oder finden keine Modelle, die zu ihren Bedürfnissen passen. Hier fehlt eine klare, konsistente Strategie, die zeigt, dass VW die Anforderungen seiner Belegschaft und damit auch der Kunden versteht und erfüllt.
Wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen für Deutschland
Die mangelnde Anpassung von VW hat konkrete wirtschaftliche und gesellschaftliche Folgen:
- Arbeitsplatzrisiken durch fehlende Innovation:
Volkswagen ist einer der größten Arbeitgeber Deutschlands und ein Kernstück der Exportwirtschaft. Fehlentscheidungen im E-Segment und ein Zögern beim Verbrennerausstieg gefährden nicht nur Arbeitsplätze bei VW, sondern auch bei zahlreichen Zulieferern, die auf klare Ausrichtung angewiesen sind. - Schwächung der Wettbewerbsfähigkeit:
Der Konzern verliert durch verpasste Chancen im E-Auto-Segment Marktanteile an Konkurrenten wie Tesla und BYD, die innovativere und kosteneffizientere Produkte anbieten. Dies setzt Volkswagen in wichtigen Exportmärkten wie den USA und China unter Druck. Jeder Rückschritt schwächt nicht nur VW, sondern die gesamte deutsche Wirtschaft und ihre Position im internationalen Wettbewerb. - Gesellschaftliche Verantwortung und Glaubwürdigkeit:
Kunden und Mitarbeiter erwarten verantwortungsbewusstes Handeln von großen Unternehmen. Studien zeigen, dass Nachhaltigkeit ein Kaufkriterium ist. Indem Volkswagen keine klare, umweltbewusste Ausrichtung zeigt, setzt es seine eigene Glaubwürdigkeit und Marktposition aufs Spiel.
Warum ist das wichtig?
Unsere Forderungen im Detail
- Verbindlicher und beschleunigter Ausstieg aus der Verbrennungstechnologie bis 2030:
- Festlegung eines Enddatums für Produktion und Verkauf von Verbrennungsmotoren bis spätestens 2030.
- Beschleunigung der Elektrifizierung der Modellpalette mit dem Ziel, bis 2028 mindestens 80 % der Fahrzeuge als reine Elektrofahrzeuge anzubieten.
- Strategische Investitionen in Forschung und Wissenschaft:
- Ausbau der Partnerschaften mit führenden Forschungseinrichtungen zur Entwicklung nachhaltiger Mobilitätstechnologien wie Batterien, Wasserstoff und autonomes Fahren.
- Erhöhung des Jahresbudgets für nachhaltige Technologien, um als deutscher Konzern eine Vorreiterrolle im Umweltschutz zu übernehmen.
- Einbeziehung der Belegschaft als strategische Partner:
- Aktive Einbindung der Mitarbeiter in die strategische Neuausrichtung durch regelmäßige Informationsveranstaltungen und Schulungen.
- Verbesserung der Zugänglichkeit von E-Fahrzeugen für die Kern-Zielgruppe.
Fazit
Volkswagen hat das Potenzial, durch entschlossene Maßnahmen und eine klare Vision als führender Anbieter nachhaltiger Mobilität zu gelten. Ein Unternehmen, das den Bedürfnissen von Mitarbeitern und der Gesellschaft gerecht wird und die deutsche Wirtschaft nachhaltig stärkt, ist unverzichtbar im 21. Jahrhundert. Dazu muss Volkswagen seine Prioritäten neu setzen und konsequent handeln.
Unterstützen Sie unsere Petition und fordern Sie eine nachhaltige Zukunft für Volkswagen und Deutschland!
Mit freundlichen Grüßen,