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An: die Landesregierung des Landes Niedersachsen und den Stadtrat der Stadt Braunschweig

Erhalt des historischen Rennelberg NS-Gefängnisses in Braunschweig

Das Land Niedersachsen will das 1,3 ha große Gelände auf dem sich die Gebäude der historischen Haftanstalt „Rennelberg“ befinden an einen privaten Investor verkaufen.

Das Land begründet es damit, dass es dafür keine Verwendung mehr habe. Die Stadt Braunschweig hat diesbezüglich ein Mitspracherecht.

Das Gelände und die Gebäude sollen versteigert werden und der Investor soll ein Nutzungskonzept vorlegen. Landesregierung und Stadtrat halten sich zu eigenen konkreten Vorstellungen bedeckt und vage. Das Bieterverfahren ist bereits abgeschlossen und der Verkauf soll nach Beratung beschlossen werden. Ein Zeitrahmen wird nicht bekannt gegeben. Sechs Bieter sind in der Auswahl und haben künftige Nutzungskonzepte eingereicht. Aus angeblichen „Vertraulichkeitsgründen“ (regional Heute.de Braunschweig vom 9.6.2026,) werden Konzepte der Investoren nicht offengelegt.

Angehörige von Opfern wurden zu diesem Vorgang  nicht angehört, obwohl eine Vielzahl der Namen und Adressen bekannt ist bzw. leicht und schnell ermittelbar gewesen wären.


Warum ist das wichtig?

Ich bin Angehöriger eines anerkannten politischen Opfers, das wegen seiner SPD Mitgliedschaft und seines Widerstandes gegen das NS-Regimes 3 Jahre lang, unter anderem auch in Schutzhaft, in diesem Gefängnis und in der JVA Wolfenbüttel inhaftiert war.

Die Gebäude der ehemaligen Haftanstalt sind von einmaliger historischer Bedeutung über die Stadt Braunschweig und das Land Niedersachsen hinaus. Sie haben einen internationalen europäischen Bezug.

Während der Zeit des Nationalsozialismus waren dort Männer und Frauen, deutsche oppositionelle Demokraten, Widerständler und „Nacht und Nebel Gefangene“ aus Holland, Belgien, Frankreich, Norwegen und Tschechien inhaftiert, wurden dort misshandelt und zum Teil zur Vollstreckung von Todesurteilen in die Hinrichtungsstätte der JVA Wolfenbüttel überführt und dort mit der Guillotine hingerichtet.
„Wo Recht zu Unrecht wird, wird Widerstand zur Pflicht, Gehorsam aber zum Verbrechen“
( Papst Leo der XIII, Enzyklika Libertas 1888 )

An kaum einem anderen Ort wird dies so deutlich wie hier. An diesem  Ort, wurde der Freiheitswille, die Demokratie und die Justiz durch ein weltweit einzigartiges, mörderisches Unrechtsssystem gebrochen.

Vergangenheit – Gegenwart – Zukunft
Die Gebäude der ehemaligen JVA haben nicht nur einen historischen Wert aus der Vergangenheit sondern einen gegenwärtigen und zukünftigen für die Angehörigen der Opfer, für unsere gegenwärtige Gesellschaft und zukünftigen Generationen. 
Kulturhistorische Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind ein gesellschaftliches Allgemeingut das nicht der Interpretation eines Finanzinvestors überlassen werden darf.
Kein verantwortungsvoller Mensch käme auf die Idee das Colosseum zu verkaufen nur weil man dort keine Gladiatorenkämpfe mehr durchführen kann.

Gedenken braucht einen begeh- und erlebbaren Ort. Ohne konkrete erfahrbare Orte verblasst das kollektive Gedächtnis schneller und es wird schwieriger, künftigen Generationen verständlich zu machen, was geschehen ist und warum Wachsamkeit weiterhin notwendig ist.

  1. Wir fordern die Landesregierung Niedersachsen und den Rat der Stadt Braunschweig auf, Ihrer historischen und politischen Verpflichtung und Verantwortung deutlich gerecht zu werden, die Gebäude der ehemaligen JVA zu erhalten und sie einer zukünftigen dauerhaften und eindeutigen Nutzung als Gedenkstätte, Forschungs- und Bildungseinrichtung zuzuführen. Wir plädieren eindrücklich dafür, dass das Hafthaus I mit dem früheren Frauengefängnis und das Hafthaus III mit dem eindrucksvollen Galeriebereich sowie den Todeshaftzellen erhalten bleiben.
  2. Wir fordern ,die Konzepte der potenziellen Investoren offenzulegen, um die Entscheidungen der Landesregierung und des Stadtrates transparent zu machen..


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