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An: Bundesministerin für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen Verena Hubertz (SPD), den Deutschen Bundestag, die Bundesregierung und die Bundesländer

Keine Kürzungen beim Wohngeld!

Die Regierung plant durch Änderungen im Wohngeldgesetz 1,5 Milliarden Euro in 2027 und ab 2028 sogar 2,1 Milliarden Euro bei den Wohngeldbezügen einzusparen (1) – zu Lasten von 1,2 Millionen Haushalten (2), die diese Unterstützung dringend benötigen, um Mieten und Wohnnebenkosten zu finanzieren.
 
 „Die Kürzungen beim Wohngeld werden leider alle bisherigen Empfänger betreffen. Ein Drittel der bisherigen Wohngeldhaushalte wird rausfallen. Ein Teil davon sind Menschen, die aufgrund ihres Einkommens bislang gerade so noch antragsberechtigt sind.“
(„Ein Drittel fällt raus“ Bauministerin Hubertz. Rheinische Post, 23.06.2026).

Diese Änderung des Wohngeldgesetzes verursacht existenzielle Notlagen!

Wir fordern die zuständige Ministerin Hubertz und die Bundesregierung deshalb auf: 
  • Beibehaltung der aktuellen Wohngeld-Berechnungsformel
  • Weiterhin fortlaufende Anpassung des Wohngelds an Preis- und Mietpreisentwicklung
  • Aufrechterhaltung der Heizkostenkomponente in voller Höhe
  • Umsetzung der geplanten Wohngelderhöhung für 2027

Warum ist das wichtig?

Haushalte mit geringem Einkommen und hohen Mietkosten sind dringend auf staatliche Unterstützung angewiesen, um die in den letzten Jahrzehnten immer weiter gestiegenen Mieten und Wohnnebenkosten zu finanzieren (3). Überwiegend sind Familien sowie Rentnerinnen und Rentner auf Wohngeld angewiesen (4). Zugleich sind in den Haushalten, die mit Wohngeld unterstützt werden, mehr als ein Drittel Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre (5). Aber auch Alleinerziehende und weniger gut verdienende Singles, die kaum kleinere und damit bezahlbare Wohnungen auf dem Markt finden, sind auf diese Unterstützung angewiesen. Durch die Kürzungen droht ein Anstieg der Wohnungslosigkeit, warnt der Deutsche Mieterbund (6).

Mit den geplanten Änderungen lässt die Bundesregierung Menschen mit geringem Einkommen bei ohnehin hohen Lebenshaltungskosten mit steigenden Mieten und Energiepreisen und drohender Wohnarmut allein. 381.000 Haushalte sollen künftig kein Wohngeld mehr erhalten. 163.000 Haushalte würden durch die Gesetzesänderung statt auf Wohngeld voraussichtlich auf andere Sozialleistungen angewiesen sein. Hier werden Ausgaben nicht reduziert, sondern lediglich verlagert (7).

Ein Zuhause zu haben ist existenziell!
Wohngeld muss bleiben, solange die Politik nicht für bezahlbaren Wohnraum sorgt!

Die hohen Wohnkosten vielerorts in Deutschland sind seit Jahren Dauerthema. Für manche Haushalte sind die Mieten und Wohnnebenkosten kaum noch zu bezahlen. Schon jetzt leben 11,2 Prozent der deutschen Bevölkerung in Haushalten, die für ihre Wohnkosten mehr als 40 Prozent ihres verfügbaren Einkommens ausgeben müssen (8). In Deutschlands Großstädten fehlen an die zwei Millionen bezahlbare Wohnungen, aber auch der ländliche Raum ist betroffen. Günstige Sozialwohnungen stehen kaum noch zur Verfügung, bestehende fallen nach und nach aus der Bindung, nur wenige neue Sozialwohnungen kommen hinzu. So ist der Wechsel in eine bezahlbare Wohnung vielerorts gar nicht möglich. Trotzdem will die Bundesregierung ausgerechnet das für Haushalte mit geringem Einkommen existenzielle Wohngeld stark einschränken. Doch durch Wegfall und Kürzungen von Wohngeld sind die Betroffenen noch stärker als bisher von Armut bedroht. Die Folgen: Fehlende soziale Teilhabe, schlechte Ernährungslage mit gesundheitlichen Auswirkungen, schlechte gesundheitliche Versorgung. Der Kinderschutzbund mahnt, dass gerade die Zahl der Kinder und Jugendlichen in Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe weiter steigen könnte (9). Dabei sind Kinder aus einkommensschwachen Familien ohnehin besonders gefährdet. Sie haben deutliche Bildungsnachteile gegenüber Kindern aus wohlhabenderen Familien – mit langfristigen Folgen für ihre beruflliche Zukunft – und sie leiden häufiger an psychischen Krankheiten und Depressionen als diese (10). 

Trotzdem will die Bundesregierung ausgerechnet das für Haushalte mit geringem Einkommen existenzielle Wohngeld stark einschränken. 

Bereits 2023 war jede sechste Person in Deutschland armutsgefährdet (11). Die Bundesrepublik ist immer noch die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt. Es darf nicht sein, dass die Regierung ausgerechnet bei den sozial Schwächsten sparen will!


Quellen
(1) "Regierung plant drastische Einschnitte beim Wohngeld". Handelsblatt, 19.06.2026. https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/wohnen-regierung-plant-drastische-einschnitte-beim-wohngeld/100234457.html 

(2) „Wohngeld. Rund 1,2 Millionen Haushalten bezogen Jahresende 2024 Wohngeld“. Statistisches Bundesamt 2026. https://www.destatis.de/DE/Themen/Gesellschaft-Umwelt/Soziales/Wohngeld/aktuell-wohngeld.html

(3) „Mieten in Großstädten steigen in zehn Jahren um 43 Prozent“, Handelsblatt, 06.04.2026. https://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/wohnungsnot-mieten-in-grossstaedten-steigen-in-zehn-jahren-um-43-prozent/100214713.html

(4) „Kritik an Hubertz-Plänen“. Taz, 21.06.2026. https://taz.de/Kuerzungen-beim-Wohngeld-geplant/!6189386/

(5) „Die Regierung kürzt das Wohngeld drastisch – und trifft damit vor allem Kinder“. Der Spiegel, 22.07.2026. https://www.spiegel.de/wirtschaft

(6) Durch Wohngeldkürzungen droht ein Anstieg der Wohnungslosigkeit“. 18.06.2026. Deutscher Mieterbund. https://mieterbund.de/aktuelles/meldungen/durch-wohngeldkuerzung-droht-ein-anstieg-der-wohnungslosigkeit/

(7) „Wohngeldkürzungen träfen vor allem Menschen in Rente, Familien mit Kindern und Geringverdienende“. Der Paritätische Gesamtverband 22.07.2026. https://www.der-paritaetische.de/alle-meldungen/neue-studie-wohngeldkuerzungen-traefen-vor-allem-menschen-in-rente-familien-mit-kindern-und-geringverdienende/

(8) „Überbelastung durch Wohnkosten. 11,2% der Bevölkerung sind betroffen“. Statistisches Bundesamt. 15.05.2026. https://www.destatis.de/Europa/DE/Thema/Bevoelkerung-Arbeit-Soziales/Soziales-Lebensbedingungen/Wohnkosten.html?templateQueryString=wohnkosten

(9) „Wohngeld-Kürzungen treffen viele Familien mit Kindern – Kinderschutzbund warnt vor dramatischen Folgen“ 24.07.2026, aktualisiert 23.08.2026. Augsburger Allgemeine. https://www.augsburger-allgemeine.de/geld-leben/wohngeld-kuerzungen-warum-besonders-viele-kinder-betroffen-sind-13-114855918

(10) „Armutsfolgen für Kinder und Jugendliche“. Laubstein/ Holz/ Seddig, 2026

(11) „Armutsgefährdungsquoten“, Bundeszentrale für Politische Bildung bpb "CC BY-NC-ND 4.0“. https://www.bpb.de

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