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An: ZDF, KIKA und die logo!-Redaktion
KIKA: Keine Bühne für Rechtsextreme bei logo!
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Eine Kindersendung. Eine jugendliche Schülerin. Ein Rechtsextremist. 30 Minuten Redezeit. Kurz vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt veröffentlichte der Kinderkanal KiKA von ARD und ZDF bei „logo!“ ein Interview mit den Spitzenkandidaten Sven Schulze (CDU) und Ulrich Siegmund (AfD). Die ehemalige Landesschülersprecherin Lucienne führte das Gespräch. Lucienne wurde medienpraktisch nicht auf die Interviewsituation vorbereitet. Logo! gab die Fragen vor, verzichtete auf einen Faktencheck und ließ die Schülerin damit allein, falschen Behauptungen und menschenverachtenden Positionen etwas entgegenzusetzen. Das Interview bleibt im Netz.
Wir sind ein Kollektiv aus Schüler*innen und stehen an der Seite von Lucienne. Sie ließ sich im guten Glauben auf ein Format ein, für dessen strukturelle Schwächen sie nicht verantwortlich ist, ohne darauf im Vorfeld professionell begleitet oder unterstützt zu werden. Der Sender unterstützte die Schülerin erst, als der öffentliche Druck bereits enorm war. Zu spät. Den anschließenden Shitstorm bekam sie trotzdem ab. Nicht so AfD-Politiker Siegmund, der bei „logo!“ ungehindert über gesonderte Schulklassen für Geflüchtete sprach, die sich aus seiner Sicht "ein schönes Leben auf unsere Kosten machen" und über einen "Wachdienst” an sogenannten Problemschulen.
Trotzdem war für Mecklenburg-Vorpommern ein weiteres Interview nach demselben Prinzip geplant – diesmal mit AfD-Landeschef Enrico Schult. Deshalb hat der Landesschüler*innenrat (LSR) MV Bedingungen formuliert, die das zweite Interview erfüllen muss. Das ZDF konnte sie nicht rechtzeitig umsetzen. Deshalb hat der LSR das Interview abgesagt. Stattgefunden hat es trotzdem: Am 8. September sprang die „logo!“-Redaktion selbst ein.
„logo!“ kann aus der öffentlichen Kritik etwas Besseres machen: Politische Bildung, die Kinder wirklich stärkt. Vor und hinter der Kamera. Wir fordern ZDF, KIKA und die logo!-Redaktion deshalb auf:
- Strahlt das AfD-Interview aus Mecklenburg-Vorpommern nicht in diesem Format aus. Rechtsextreme Politiker dürfen in Kindernachrichten keine ungefilterte Bühne bekommen. Prüft ihre Aussagen und ordnet sie journalistisch ein.
- Entwickelt stattdessen ein kindgerechtes Format über Rechtsextremismus. Erklärt, warum Rechtsextremismus die Demokratie und Menschenrechte bedroht und ordnet demokratiefeindliche Positionen für das junge Publikum verständlich ein.
- Setzt Kinder und Jugendlichen nicht professionellen Politiker*innen aus, ohne sie angemessen darauf vorzubereiten. Es braucht Medientrainings, Faktenchecks und die Möglichkeit, kritisch nachzufragen. Begleitet sie während des gesamten Prozesses – auch emotional.
Erstunterzeichner*innen:
Teachers for Future Germany e.V.
Eltern gegen Rechts
Warum ist das wichtig?
Braucht ein Kindernachrichtenformat wirklich eine halbe Stunde ungefilterte Redezeit für einen Politiker, dessen Partei vom Verfassungsschutz als gesichert rechtsextrem eingestuft wird? Wir sagen nicht, dass man die AfD nicht hätte einladen dürfen. Aber wenn man das tut, muss die Redaktion die jugendlichen Interviewenden angemessen vorbereiten. Nicht umsonst gibt es unzählige Mediencoachings für TV-Formate, auch für erfahrene Erwachsene. Für Kinder und Jugendliche muss das absolutes Mindestmaß an Vorbereitung auf solch eine Situation sein. Es braucht ein Faktencheck-Team vor Ort, damit Aussagen direkt eingeordnet werden können und nicht, wie beim ersten Interview, weitgehend unwidersprochen und nicht ausreichend eingeordnet stehen bleiben.
Die Verantwortung für das, was bei logo! passiert ist, darf nicht bei den interviewenden, jugendlichen Schüler*innen liegen. Die redaktionelle Verantwortung liegt ganz eindeutig beim öffentlich-rechtlichen Kinderformat des ZDF. Doch der macht klar: Ob dem Format oder der Schülerin ein Shitstorm droht, war nicht Teil der vorherigen Abwägung. Die Leiterin der logo!-Nachrichten Constanze Knöchel bügelt vor Ausstrahlung der Sendung ab: “am Ende orientieren wir uns nicht an der Frage, welcher Shitstorm droht, sondern an unserem Auftrag: Kinder brauchen verlässliche Informationen, um sich eine eigene Meinung bilden zu können. Auch dann, wenn es unbequem wird.”
Kinder und Jugendliche haben selbstverständlich ein Recht darauf zu erfahren, welche Parteien zur Wahl stehen, was sie fordern und warum über bestimmte Parteien besonders kontrovers diskutiert wird. Aber journalistische Ausgewogenheit bedeutet nicht, politische Aussagen und extremen Positionen ohne ausreichende Einordnung weiterzugeben. Das ist nicht verlässlich, das ist unzulässig.
Unzulässig ist auch, Schüler*innen für Interviews anzufragen und ihnen nicht die Möglichkeit zu geben, sich einzubringen oder kritische Nachfragen zu stellen. Das kehrt den Beutelsbacher Konsens in sein Gegenteil um. Denn statt Kontroverses kontrovers abzubilden, verschafft logo! einer Seite eine unwidersprochene Bühne.
Unzulässig ist auch, Schüler*innen für Interviews anzufragen und ihnen nicht die Möglichkeit zu geben, sich einzubringen oder kritische Nachfragen zu stellen. Das kehrt den Beutelsbacher Konsens in sein Gegenteil um. Denn statt Kontroverses kontrovers abzubilden, verschafft logo! einer Seite eine unwidersprochene Bühne.
Nach dem Beutelsbacher Konsens muss Kontroverses und verschiedene Standpunkte abgebildet werden. Schüler*innen müssen die Möglichkeit haben, sich eigenständig ein Urteil zu bilden. Doch das ist ohne Briefing und ohne Möglichkeit, sich kritisch in solch einem Interview einzubringen, unmöglich. Fragen nach Lieblingsfächern oder Jugendwörtern nutzen weder den Zuschauer*innen, noch den Interviewenden, gar nichts. Profitieren tun am Ende Politiker*innen, die Sympathiepunkte sammeln.
Wir weichen der Auseinandersetzung mit rechtsextremen Positionen nicht aus. Im Gegenteil, genau weil wir sie ernst nehmen, können wir sie nicht in einem Format führen, das uns als Fragende auf reine Stichwortgeber reduziert, ohne Raum für Einordnung, Rückfrage und Richtigstellung zu lassen.
Der LSR MV hat deshalb nach dem ersten Interview Verantwortung übernommen und Forderungen gestellt. Mindestvoraussetzungen, die notwendig sind, damit ein solches Interview seiner Verantwortung gegenüber jungen Zuschauer*innen gerecht wird. Dazu gehören eigene Fragen, ausreichende Vorabinformation zu den zu erwartenden Positionen, professionelle medienpraktische Vorbereitung sowie eine Möglichkeit zur Einordnung strittiger Aussagen. Denn ohne diese Möglichkeit zur Richtigstellung hätte eine in Teilen gesichert rechtsextreme Partei in der zweiten Sendung erneut unwidersprochen ihre Positionen verbreiten können, ohne dass die Schüler*innen das im Interview selbst hätten einordnen oder korrigieren können. Das hätte im Ergebnis verharmlost, wofür diese Partei steht.
„logo!“ könnte aus der Kritik deshalb etwas Besseres machen: ein Format, das Kindern und Jugendlichen verständlich erklärt, was Rechtsextremismus bedeutet. Woran erkennt man rechtsextreme Aussagen? Was unterscheidet demokratische Kritik von Angriffen auf die Grundrechte anderer Menschen? Wie arbeiten Populist*innen mit Ängsten und Feindbildern? Und warum beobachten Verfassungsschutzbehörden Teile beziehungsweise Landesverbände der AfD?
Quellen:
„ZDF-‚logo!‘: ZDF verteidigt Interview mit AfD-Spitzenkandidat in Kindernachrichten“, ZEIT, 05.09.2026
„Bei ‚logo!‘ spricht Siegmund über Geschichte – doch zentraler Begriff bleibt aus“, Berliner Morgenpost, 04.09.2026
„logo! vom Donnerstag, 3. September 2026“, KiKA, 03.09.2026
„logo! – Schülersprecherin befragt Spitzenkandidaten“, ZDF / ZDFtivi, 03.09.2026
„ZDF: Kritik an ‚logo!‘-Interview mit AfD-Politiker Siegmund“, Evangelische Zeitung (epd), 09.09.2026
„Beutelsbacher Konsens“, Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), 07.04.2011
„Beutelsbacher Konsens“, Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik e. V. (DeGeDe)
Quellen:
„ZDF-‚logo!‘: ZDF verteidigt Interview mit AfD-Spitzenkandidat in Kindernachrichten“, ZEIT, 05.09.2026
„Bei ‚logo!‘ spricht Siegmund über Geschichte – doch zentraler Begriff bleibt aus“, Berliner Morgenpost, 04.09.2026
„logo! vom Donnerstag, 3. September 2026“, KiKA, 03.09.2026
„logo! – Schülersprecherin befragt Spitzenkandidaten“, ZDF / ZDFtivi, 03.09.2026
„ZDF: Kritik an ‚logo!‘-Interview mit AfD-Politiker Siegmund“, Evangelische Zeitung (epd), 09.09.2026
„Beutelsbacher Konsens“, Bundeszentrale für politische Bildung (bpb), 07.04.2011
„Beutelsbacher Konsens“, Deutsche Gesellschaft für Demokratiepädagogik e. V. (DeGeDe)