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An: Dr. Ulrich Wöstmann und Carsten Reymann, Geschäftsführer der GESA – Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten mbH

Keine Simson für die AfD!

Die Marke „Simson“ ist mehr als der Name eines traditionsreichen Fahrzeugherstellers. Sie steht für ostdeutsche Industriegeschichte, technische Innovation und das Vermächtnis der jüdischen Unternehmerfamilie Simson. Die Familie wurde 1935 von den Nationalsozialisten verfolgt, enteignet und aus Deutschland vertrieben. (1) Gerade deshalb darf ihre Geschichte heute nicht von einer rechtsextremen Partei vereinnahmt werden. Doch genau das passiert gerade in Sachsen-Anhalt: Dort nutzt die AfD die Marke im Wahlkampf, um von ihrem guten Ruf und ihrer Bekanntheit zu profitieren. (2)

Inhaberin der Markenrechte ist die Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten mbH (GESA). Damit trägt sie eine besondere Verantwortung, die Marke „Simson“ vor ihrer Vereinnahmung durch Rechtsextreme zu schützen. Nach öffentlichem Druck hat die GESA angekündigt, gegen den Missbrauch der Marke vorzugehen. Jetzt müssen den Worten Taten folgen. Wir fordern die GESA auf, alle markenrechtlichen Möglichkeiten auszuschöpfen, um die missbräuchliche Nutzung der Marke „Simson“ durch die AfD Sachsen-Anhalt zu unterbinden und das historische Erbe der Familie Simson zu schützen.

Insbesondere fordern wir:
  1. Die AfD Sachsen-Anhalt wegen der Nutzung der Marke Simson im Wahlkampf markenrechtlich abzumahnen, eine strafbewehrte Unterlassungserklärung einschließlich der Vernichtung rechtsverletzender Werbemittel zu verlangen.
  2. Bei einer Weigerung unverzüglich gerichtliche Schritte einzuleiten und eine einstweilige Verfügung zu beantragen.
  3. Gegen jede Nutzung vorzugehen, die den Eindruck einer Zusammenarbeit, Unterstützung oder Identifikation zwischen der Marke Simson und der AfD erweckt.

Warum ist das wichtig?

Seit Monaten instrumentalisiert die AfD Sachsen-Anhalt den Namen „Simson“ für ihren Wahlkampf – bei Ausfahrten, auf Wahlplakaten, in sozialen Medien und in ihrer gesamten Wahlkampfkommunikation. So entsteht der Eindruck, die traditionsreiche Marke stehe der Partei nahe oder unterstütze ihre Anliegen. Die AfD nutzt den guten Ruf und die enorme Bekanntheit von „Simson“, um Aufmerksamkeit zu gewinnen und von den positiven Assoziationen mit der Marke zu profitieren.

Für die Nachfahren der Gründerfamilie ist genau das unerträglich. Dennis Baum, Nachfahre und Sprecher der Familie Simson, erklärt:

„Wir empfinden jede Verbindung mit der AfD als abstoßend.“

Denn die "Simson" stammt aus einer jüdischen Unternehmerfamilie, die 1936 von den Nationalsozialisten enteignet und aus Deutschland vertrieben wurde. Eine politische Vereinnahmung dieses Namens widerspricht dem ausdrücklichen Willen der Familie und beschädigt ihr historisches Erbe. 

Deshalb wollen wir verhindern, dass die AfD weiter von der Bekanntheit profitiert – sei es durch eine größere öffentliche Aufmerksamkeit, eine positive emotionale Aufladung ihrer Wahlkampfkampagnen oder durch mögliche wirtschaftliche Vorteile, die sich aus der Nutzung der Marke ergeben können. Die Markenrechte an „Simson“ liegen bis heute bei der GESA (Gesellschaft zur Entwicklung und Sanierung von Altstandorten mbH). Sie ist eine Tochtergesellschaft der Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS), der offiziellen Nachfolgeorganisation der Treuhandanstalt. Als Inhaberin der Marke trägt die GESA eine besondere Verantwortung für ihren Schutz – insbesondere dann, wenn eine Marke durch Rechtsextreme vereinnahmt wird und dadurch ihr Ruf sowie ihr geschichtliches Erbe beschädigt werden.

Die GESA hat bereits angekündigt zu handeln. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, diese Ankündigung in konsequentes Handeln umzusetzen. Andere Markenrechtsinhaber haben bereits gezeigt, dass sie sich erfolgreich gegen die politische Instrumentalisierung ihrer Marken wehren können. Auch die Marke Simson verdient diesen Schutz.
 
Unser Appell: Schützen Sie die Marke Simson. Schützen Sie das Andenken der Familie Simson. Stoppen Sie den politischen Missbrauch ihres Namens! Es geht um den Respekt gegenüber einer Familie, die Opfer nationalsozialistischer Verfolgung wurde. Es geht um den Schutz einer ostdeutschen Traditionsmarke. Und es geht darum, zu verhindern, dass eine rechtsextreme Partei die Bekanntheit und das positive Image dieser Marke für ihre politischen Ziele oder mögliche wirtschaftliche Vorteile nutzt.

Erstunterzeichner*innen

Sebastian Krumbiegel, Sänger und Musiker aus Leipzig

Rasha Nasr,  Bundestagsabgeordnete aus Dresden SPD

Kassem Taher Saleh,
Bundestagsabgeordneter aus Dresden Bündnis 90/Die Grünen

Lukas Pellio, Pfarrer in Cottbus

Katharina König, Losmachen - Verein zur Förderung der Lausitzer Zivilgesellschaft e.V.

Jakob Springfeld, Autor und Aktivist aus Zwickau


Quellen:

(1) Podcast des Leo Baeck InstituteSimson & Co.- Eine Familie, geschmiedet aus Stahl, 12.02.2026 

(2) Mitteldeutsche Zeitung: Simson Ausfahrt mit der AfD, 30.06.2027

(3) Tagesspiegel Interview mit Dennis Baum, Erben der Familie Simson, 03.07.2026

(4) Sim­son-Fami­lie in großer Sorge: Nach­fahre der Suh­ler Unter­neh­mer wehrt sich gegen Instru­men­ta­li­sie­rung der Moped-Marke, 03.07.2026

(5) Dennis Baum am 4.Juli 2026 bei den Protesten gegen den AfD Parteitag: 
https://www.youtube.com/watch?v=tto2i9XlAdA

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2026-08-03 16:45:49 +0200

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