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An: Stadtrat & Stadtverwaltung der Stadt Oldenburg

Umbenennung der M*Straße in Oldenburg

Umbenennung der M*Straße in Oldenburg

Mit dieser Petition fordern wir die Stadtverwaltung sowie die politischen Gremien in Oldenburg dazu auf, die M*straße in Oldenburg im Stadtteil Osternburg umzubenennen. Unser Vorschlag ist, die Straße in May-Ayim-Straße umzubenennen.

NIEMAND weiß, wer Hermann M. war, noch was seine Verdienste waren oder wofür er geehrt wurde. Die Datenlage zur M*Straße ist ungenau und es lässt sich nach aktuellen Nachforschungen nicht nachweisen, dass diese Straße explizit oder ausschließlich gerade nach Hermann M. oder dessen Familie benannt worden ist. Es bieten sich verschiedene Deutungen an.

Wir fordern daher die Stadt Oldenburg auf, ihrer Verantwortung gegenüber allen Bürger:innen der Stadt Oldenburg gerecht zu werden und die Kette kolonialrassistischer Fest- und Zuschreibungen und diskriminierender Sprache im Stadtbild zu brechen.

Eine Umbenennung der M*Straße würde einen Perspektivwechsel ermöglichen und den Blickwinkel kolonisierter Menschen sichtbar machen. In diesem Zusammenhang fordern wir auch die Stadt Oldenburg auf, Schwarze Oldenburger Persönlichkeiten sichtbar zu machen.

Warum ist das wichtig?

Vielleicht hat der Name M. hier nichts mit dem Begriff M* zu tun. Aber die Assoziation zum M*begriff bleibt, wenn der Straßenname so bestehen bleibt. Der Sprachwissenschaftler Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch schreibt:
„Der Nachname Mohr/Moor (die Schreibweise spielt dabei keine Rolle) hat, wie das für europäische Familiennamen nicht unüblich ist, mehrere etymologische Wurzeln. Er ist in Deutschland seit 1340 nachgewiesen: Zu dieser Zeit war Mohr in der Bedeutung Menschen mit dunkler Hautfarbe bereits etabliert. […] Namen können Assoziationen haben, die so unangenehm sind, dass sie niemand mit seinem Namen verbunden wissen will. So gilt es u.a. als Grund für eine Namensänderung, wenn Namen „anstößig oder lächerlich klingen oder Anlass zu frivolen oder unangemessenen Wortspielereien geben könnten (z. B. Fick)“. Das liegt aber zu recht in der Entscheidung des Namensträgers, denn der Name Fick heißt eben nicht „Fick“ im Sinne eines Geschlechtsaktes, sondern klingt nur so (tatsächlich ist es ursprünglich eine Kurzform von Friedrich). Mit Sicherheit fordern wir Gutmenschen niemanden zu einer solchen Namensänderung auf.“ (Prof. Dr. Anatol Stefanowitsch 2021)

Der Name M. weckt nun auch eine ganz bestimmte Assoziation: Mit dem Begriff M* bezeichne(te)n weiße Menschen im 17., 18., 19. und 20. Jh. Schwarze Menschen, die überwiegend als Sklav:innen des deutschen Adels und zunehmend auch des Bürgertums in den deutschen Staaten lebten. Wenn heute der Begriff z.B. in Verbindung mit Schokolade gebracht wird, gibt das indirekt Auskunft über das kulturelle Gedächtnis, da Kakao eine Ware war, die mit dem transatlantischen Handel und Kolonialismus für weiße Deutsche konsumiert wurde – zur gleichen Zeit, als Afrikaner:innen im Status der Sklaverei in der deutschen Öffentlichkeit wahrgenommen wurden. Sie galten als Statussymbol deutscher Sklav:innenhalter:innen und wurden ebenso Teil der beginnenden Konsumkultur des Kolonialen Europas wie der Kakao.

Warum der M*Begriff nicht mehr haltbar ist

Das Wort M* war von Anfang an negativ konnotiert und despektierlich gemeint. Etymologisch geht es sowohl auf das griechische „moros“ zurück, das „töricht“, aber auch „dumm“ bedeutet. Aber auch auf das lateinische „maurus“, das für „schwarz“, „dunkel“ und „afrikanisch“ steht. Daraus wurde im Althochdeutschen „mor“ und davon „Mohr“ abgeleitet. Der Begriff M* war schon immer eine Fremdbezeichnung, die dazu diente, Schwarze Menschen zu entmenschlichen, sie zu diffamieren und ihre Ausbeutung und Versklavung zu legitimieren. Dementsprechend wurden auch die Begriffe M* und N-Wort synonym verwendet, nämlich für „Menschen, die dazu da seien, Weißen zu dienen“ (vgl. Arndt 2021).

Die exotisierte Dienstbarkeit, die sich mit dem solchermaßen geprägten Stereotyp des M* verbindet, prägt den Begriff bis heute. Da das M*Wort Schwarze Menschen diffamiert, ist das Wort nicht nur veraltet, sondern diskriminierend. Der Begriff, der im Kontext kolonialer Rassetheorien Eingang in den deutschen Sprachgebrauch fand, wird seitdem mit rassistischen Stereotypen assoziiert und überwiegend abwertend verwendet. Heute besteht Einigkeit darüber, dass der M*-Begriff schon damals eine rassistische Konnotation erhalten hat. Stereotypisierungen können als Instrumente von Rassismus verstanden werden. Stereotypisierungen dichotomisieren, reproduzieren, essentialisieren, naturalisieren und fixieren Differenzen entlang vermeintlich gegensätzlicher Kategorien (vgl. Hall 2004:144), wie zum Beispiel Hautfarbe oder Herkunft. Die Gegensatzpaare sind dabei nicht neutral, vielmehr zeigen sich Dominanzverhältnisse und hierarchische Differenzlinien (ein Pol dominiert den anderen), die gesellschaftliche Positionen bestimmen und Privilegien ungleich verteilen.

Wer war May Ayim (03.05.1960 – 9.08.1996)?

May Ayim ist eine der prominentesten Vertreter:innen der Schwarzen Community in Deutschland. May Ayim (mit bürgerlichem Namen Sylvia Brigitte Gertrud Opitz) wurde 1960 als uneheliche Tochter einer weißen deutschen Mutter und eines ghanaischen Austauschstudenten in Hamburg geboren und zur Adoption freigegeben. Sie wurde von der weißen deutschen Familie Opitz adoptiert, wo sie als einziges Schwarzes Kind unter vier weiteren weißen Geschwistern in Münster aufwuchs.

Ihre Diplomarbeit über die Kultur- und Sozialgeschichte von Afro-Deutschen stellt die wissenschaftliche Untersuchung der Geschichte von Afro-Deutschen dar. Das von ihr, Katharina Oguntoye und Dagmar Schultz herausgegebene Buch „Farbe bekennen“ gilt als ein Grundstein der kritischen Weißseinsforschung in Deutschland. Ayim, für die Intersektionalität (die Verwobenheit unterschiedlicher Unterdrückungsstrukturen) ein relevantes Thema ist, gehörte 1986 zu den Gründer:innen der Initiative Schwarze Deutsche/Initiative Schwarzer Menschen in Deutschland. Der Verein trägt bis heute wesentlich zur Vernetzung Schwarzer Menschen in Deutschland bei.

Als Dichterin greift Ayim in ihrer Lyrik Themen aus Politik und Gesellschaft auf und schreibt über das Frausein, Alltagsrassismus, Zugehörigkeitsgefühle, Ablehnung und Befreiung. Am 9. August 1996 tötet sich Ayim, die auch unter Depressionen litt und in psychiatrischer Behandlung war. Ihr Suizid steht im direkten Zusammenhang mit der Erfahrung in der Psychiatrie und der Gabe neurotoxischer Substanzen und deren abstumpfender Wirkung, die sie in tiefe Verzweiflung gebracht haben.

Neuigkeiten

2021-12-31 13:07:13 +0100

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