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An: Bildungssenatorin Scheeres, Staatssekretärin Sigrid Klebba, den Senat von Berlin

Sozialarbeiter*innen brauchen Anspruch auf Notbetreuung ihrer Kinder

Sozialarbeiter*innen brauchen Anspruch auf Notbetreuung ihrer Kinder

Derzeit gilt für die Berufsgruppen Polizei, Feuerwehr, Gesundheits- und Pflegepersonal in Berlin die Regelung: wenn nur ein Elternteil von Kindern unter 12 Jahren dieser Berufsgruppe angehört, hat die Familie Anspruch auf Notbetreuung ihrer Kinder in Kita und Schule. Und das ist gut und richtig so.

Wir fordern, diese Regelung auf Personen, die im Kinder- und Jugendschutz tätig sind, insbesondere Schulsozialarbeiter*innen und Sozialarbeiter*innen im Jugendamt auszuweiten.

Warum ist das wichtig?

Die Schulschließung aufgrund der Corona-Krise besteht nun seit 3 Wochen. Lehrerinnen und Lehrer haben auf eLearning und Homeschooling umgestellt, führen online Unterrichtsstunden durch und die Eltern unterstützen ihre Kinder zu hause bei der Bewältigung des anstehenden Stoffs. So weit, so ideal.

Leider trifft das aber nur auf den Teil der Schülerinnen und Schüler zu, die aus Eigenmotivation und/oder der Unterstützung ihrer Eltern heraus strukturiert ihren Stoff erarbeiten.

Ich bin Schulsozialarbeiter an einer Berliner "Bonus"- oder auch "Brennpunktschule". Viele unserer Schülerinnen und Schüler kommen aus bildungsfernen Elternhäusern, leben in großen Familien auf engstem Wohnraum. Vielen ist es nicht erlaubt, die Wohnung zu verlassen, aus Angst der Eltern vor Corona. Seit 3 Wochen also sitzt die Mehrheit unserer Schülerinnen und Schüler mit all ihren Geschwistern und ihren frustrierten Eltern, die aufgrund der Krise vielleicht ihre Arbeit verloren haben, nun schon zu Hause. Die Gefahren häuslicher Gewalt, physisch und psychisch, von Videospiel- und Internetsucht, virtueller Schuldistanz, Missbrauch, gar Suizid steigen in dieser Situation.

Schwierige familiäre Situationen gab es natürlich auch schon vor der Krise. Allerdings haben die Lehrer*innen und Schulsozialarbeiter*innen die Kinder und Jugendlichen täglich gesehen, hatten ein Auge auf auffällige Verhaltensweisen, Verwahlosung, Schuldistanz; ein Ohr für die Nöte der Schülerinnen und Schüler. Das fällt nun alles ebenfalls weg. Umso wichtiger ist es nun zu versuchen, die Schülerinnen und Schüler auf anderen Wegen zu erreichen. Wir haben, so gut es ging, Notfall-, Krisen- und Kummernummern über die Homepage der Schule publiziert, haben einen Instagram-Account eröffnet, sind unter unseren E-Mail-Adressen nach dem Rückruf-Prinzip stets für unsere Schülerinnen und Schüler telefonisch erreichbar: nichts. Stille. Eine trügerische, eine gefährliche, vielleicht eine tödliche Stille, wenn ich bedenke, wie viele familiäre Konflikte unsere Schülerinnen und Schüler uns sonst im Schulalltag so anvertrauen.
Für "unsere" Schülerinnen und Schüler ist die Schule -paradoxerweise- ein Ort der Freiheit, an dem sie für ein paar Stunden täglich elterlicher Kontrolle entkommen, ihre Freunde treffen, sich entfalten können. Im Lernen oder, aber auch das ist verständlich, im Ausagieren von Konflikten, Abbau von Frustration. Dies fällt nun alles weg.

Drei Wochen nun hat man uns Schulsozialarbeiter*innen ins Homeoffice geschickt. "Konzepte überarbeiten", "Fachliteratur lesen", "Liegengebliebenes einfach mal wegschaffen". Was ich in diesen drei Wochen gemacht habe? Nichts dergleichen. Denn ich habe 2 Kinder, 2 und 5 Jahre alt, die Kita ist natürlich geschlossen und HomeOffice mit Kindern ist, gerade in der Stadt, ein schlechter Witz.

Wir sind an einem Punkt angekommen, an dem wir bei jedem unserer Schüler und Schülerinnen zu Hause werden anrufen, Briefe und Postkarten versenden und zig weitere Wege der Erreichbarkeit erproben müssen.
Das erfordert vollste Konzentration, höchste Professionalität und Feingefühl für das Befinden der Schüler*innen und ihrer Eltern nur übers Telefon. Das geht nicht aus einem HomeOffice, in dem meine eigenen Kinder unausgelastet herumspringen oder ich sie meinerseits stundenlang vor die Glotze setzen muss, damit ich Ruhe zum Arbeiten habe.

Deshalb muss Menschen, die unmittelbar mit Aufgaben des Kinder- und Jugendschutzes betraut sind, ein ungestörtes Arbeiten durch die Kita-Berteuung der eigenen Kinder ermöglicht werden. Kinderschutz ist systemrelevant! Sozialarbeiter*innen retten Leben!


Ich habe unterzeichnet, weil...

  • Sozial und solidarisch statt konservativ kurzsichtig
  • Die angesprochenen Probleme sind sehr dringend
  • Dies gilt auch für LehrerInnen, die zu Hause bemüht sind, den Unterricht für die SchülerInen aufrecht zu erhalten.

Neuigkeiten

2020-04-09 14:26:30 +0200

1,000 Unterschriften erreicht

2020-04-09 12:04:17 +0200

500 Unterschriften erreicht

2020-04-08 17:01:30 +0200

Liebe Unterzeicher*innen,

Ein Teilerfolg wenn vielleicht nicht dieser Petition, dann aber gewiss von gesundem Menschenverstand: In einer aktualisierten, ab heute gültigen Fassung der Verordung sind, immerhin, Mitarbeiter*innen der Kinder- und Jugendhilfe (hier: Notdienste Kinderschutz, Krisenteams, Regionaler Sozialer Dienst, Beschäftigte in stationären und teilstationären Einrichtungen) in die sog. Ein-Eltern-Regelung mit aufgenommen.

Danke für Eure Unterstützung!

2020-04-08 15:05:48 +0200

100 Unterschriften erreicht

2020-04-07 09:10:51 +0200

50 Unterschriften erreicht

2020-04-07 00:43:00 +0200

25 Unterschriften erreicht

2020-04-06 22:48:20 +0200

10 Unterschriften erreicht